Peter Kohlmann’s Rolex – Teil 2 der Kurzgeschichte

Peter Kohlmann’s Rolex – Teil 2 der Kurzgeschichte

Der erste Teil der Kurzgeschichte lautet “Peter Kohlmann’s Welt”. Du findest ihn hier.

Peter Kohlmann und der Geier

„Danielle, wirklich, mir ist nicht nach Scherzen zumute oder nach verträumten Kinderwelten, die nicht existieren. Ich MUSS in JEDER Welt schnell sein und dazu brauche ich – verflixt nochmal – eine funktionierende Uhr! Du bist echt noch klein, das verstehst du noch nicht. Lass uns die Uhr jetzt gleich zum Uhrmacher bringen.“

„Die Uhr geht doch. Sie tickt, hörst du das nicht?“

„Natürlich macht sie irgendwelche Geräusche, aber sie läuft rückwärts. So verpasse ich jedes einzelne Meeting, weil ich nicht schnell genug dort bin!“

Danielle bricht in kindliches Gelächter aus, nicht in ein urteilendes oder abwertendes, sondern in ein ansteckendes, fröhliches Gekicher.

„Was gibt’s da zu lachen?!“, fragt Peter entrüstet. „Hier geht’s um eine Menge Verantwortung!“

„Ja, das glaube ich dir. Bei einem so hohen Bürogebäude ist es immer wichtig, dass es nicht umfällt – irgendwie ein bisschen wie bei einem Jenga-Turm.“

Bevor Peter empört einen Kommentar dazu abgeben kann, wie Danielle überhaupt darauf kommt, seine Firma mit Spielzeug zu vergleichen, fügt sie noch hinzu:

„Aber die Uhr geht ja jetzt falsch rum. Und du muss jetzt nicht, wie jeden Tag, deiner Zeit nachrennen, um schneller als sie zu sein, nur weil du mehr von ihr haben willst. Die Zeit macht doch jetzt extra langsamer, wie die Schnecke da unten. Jetzt kannst du volle langsam machen.“

Wieder lacht Danielle vor Entzückung.

„Du bist echt sooooo schlecht mit dieser Langsam-Sache, aber Rennen bringt halt grad Null. Dafür können wir jetzt richtig lang hier draußen bleiben und meine Freunde besuchen. Juhuuu!“

Als hätte Peter auf einmal jedes Meeting vergessen, springt er sofort auf ihre Provokation an:

„Forderst du mich gerade heraus? Ok, kannst du haben: Ich werde auch im langsamen Modus besser als andere sein, wenn nicht gar der Beste.“

Während die beiden vom Schotterweg auf den Wandertrail im Wald abbiegen, reiht Peter weiter einen sich selbst beschreibenden Superlativ an den anderen. Danielle hört ihm dabei interessiert und belustigt zu und fragt sich, ob er einfach nur nicht begreift, um was es geht oder ob er sich mit seinem Kampf gegen irgendwelche Konkurrenten, die für Danielle wohl unsichtbar zu sein scheinen, einfach nur selbst beruhigt. Wenn schon die heilige Rolex nicht so läuft, wie sie laufen müsste.

Plötzlich ertönt ein gellender, schriller Schrei aus den Baumwipfeln über ihnen.

„Pah, du und dein -er!“

Die beiden zucken zusammen, während die Baumkronen von einem lauten Rascheln durchzogen werden. Schnell klammert Danielle sich an Peters Bein.

„Was ist das?!, fragt sie mit zitternder Stimme.

„Du kennst dich doch hier aus, dachte ich!“, fährt Peter sie an, während er beinah über seine umklammerten Beine stolpert.

Ein mächtiger Schatten mit großen Schwingen gleitet aus den Bäumen über die Wiese am Hang, macht eine elegante Drehung und fliegt anschließend direkt auf sie zu.

„Ja, aber meine Freunde hier sind alle klein und nicht so laut. Ich glaub der will zu dir.“

Als hätte Danielle es geahnt, landet der große Geier auf einem Ast in Peters Nähe, direkt auf Augenhöhe. Wieder stößt er einen gellenden Schrei aus:

„Du hast ein -er Problem, Peter!“

„Und du hast ein Orientierungsproblem, man! Hast dich wohl verflogen?!“

Danielle kneift ihren Patenonkel ins Knie.

„Du bist draußen in der Natur, nicht im Büro; sei bloß nett!“, flüstert sie ihm so scharf sie kann zu.

Majestätisch breitet der Geier seine Flügel aus.

„Ich bin in jede Richtung größer als du, zeig Respekt oder du lernst von mir schneller zu rennen als jemals zuvor. Hast du darauf wirklich Lust?“

Danielle wirft einen flehenden Blick nach oben in Peters Richtung. Er hatte die Situation aber auch ohne dieses Signal bereits umfänglich erfasst, so dachte er zumindest.

„Nein.“

„Gut, dann reden jetzt wir Großen. Ich bin hier, weil Danielle für dich zu wenig Bescheid weiß, so als Zwergin, und du der Große bist, der deswegen immer richtig liegt. Nach deinem Verständnis bin ich jetzt allwissend, weil ich riesig bin. Also reden wir.“

Da prustet Peter los und kann sich kaum auf den Beinen halten.

„Du bist ein Vogel, was willst du mir schon groß erzählen?“

„Das ist doch dein Lebensstil, nicht meiner. Du glaubst doch an größer = besser. Du musst mir zuhören, sonst verrätst du dich selbst.“

„Touché.“, bekräftigt Danielle hochachtungsvoll, während Peter langsam begreift, dass er es hier nicht mit einem Dummkopf zu tun hat.

„Also, dein -er ist gegen deine Natur.“

„Was meinst du damit?“

„Dein Leben dreht sich vor allem um dünnER, schnellER, bessER, größER, weitER, schönER. Egal, um was es geht. Das ist gegen die Natur.“

„Quatsch! Das ist hier draußen doch genauso. Wenn man nicht schneller oder größer ist, wird man gefressen statt zu fressen. Schau dir doch mal die Raubtiere an; das ganze Ökosystem käme durcheinander, wenn sie nicht besser wären als andere Tiere und nicht entsprechend handelten.“

„Da hast du recht. Das ist ihr tierischer Instinkt und ein gewisses Maß an Wettbewerb ist sicherlich auch nicht zu verachten. Hast du denn schon einmal einem Raubtier beim Jagen zugesehen?“

„Ja, mir. War geil.“, lacht Peter.

Da hat der Geier die Faxen dicke, stößt einen Pfiff aus und ist innerhalb von Sekunden von einem Schwarm anderer Geier umringt, die Peter packen und nach oben zerren, während Danielle entgeistert zurückbleibt.

„Wir bringen ihn wieder. Warte dort vorne an der großen Eiche.“, hört sie sie noch rufen.

„Spinnt ihr?! Lasst mich runter!“

„Oh, gut gebrüllt, Löwe,“, kichert der Geier, „aber das willst du nicht wirklich. Wir zeigen dir jetzt erst einmal wie ein ECHTES Raubtier jagt.“

Nach einigen weiteren Flügelschlägen ist unter ihnen eine Herde Gazellen zu erkennen, hungrig am Grasen. Alles scheint ruhig, friedlich zu sein, als könnte die Stimmung nicht paradiesischer sein. Flatternd halten sich die Überflieger in der Nähe der Herde auf und weisen Peter an, genau aufzupassen. Kaum ausgesprochen, stößt aus dem Dickicht ein Gepard hervor, das schnellste Landsäugetier der Welt.

„Schau, dein Vorbild. Jagen im Highspeed. Schau genau hin.“

Mit sagenhafter Eleganz sprintet der Gepard auf seine Beute zu, sein langer Schwanz hält ihn in den Kurven in Balance, lässt seine Bewegungen kraftvoll und geschmeidig aussehen. In Windeseile hat er ein Tier von der Herde abgespalten, bringt es aus der Fassung, treibt es vor sich her, bis es stolpert. Mit einem gewaltigen Satz springt er die Gazelle an. Seine Krallen bohren sich tief in ihre Flanke; dann verpasst er ihr den tödlichen Biss in die Kehle.

„Ein Meister seines Fachs.“, jubelt Peter. „Im metaphorischen Sinne mache ich das so wie der. Also ist bei mir alles richtig. Es gibt nichts mehr zu lernen für mich“

„Schau zu!“, befiehlt der Geier, „Es ist noch nicht vorbei.“

Der Gepard schleift seine Beute zu einer Höhle, in deren Nähe drei kleine Gepardenbabies tapsig ihre ersten Schritte wagen. Heute gibt es zum ersten Mal Fleisch für die Kleinen. Schmatzend fangen sie an, ihr Mittagessen zu beschnuppern, abzulecken und anzuknabbern. Der große Gepard wartet währenddessen, schaut zu, ruht sich aus und hält Wache. Erst nachdem die Kleinen satt sind, fängt der ältere Gepard an zu fressen und nachdem sein Hunger gestillt ist, ruht sich die Familie aus, spielt und geht auf Entdeckungstour.

Erst jetzt beendet der Trupp Geier seine auf einer Stelle rüttelnde Art des Fliegens und gleitet mit Peter zurück zu Danielle. Unter der großen, schattigen Eiche setzen sie ihn neben seiner Patentochter ab und fliegen so schnell davon wie sie gekommen waren.

„Das war jetzt nicht mehr so spannend.“, meckert Peter und versucht die Löcher in seinem Anzug mit reiner Willenskraft zu schließen.

„Das war der wichtigere Teil.“, schüttelt der Geier verständnislos den Kopf.

„Peter, Peter, was hast du gelernt, was hast du gesehen? Ich freu mich so, dich wieder bei mir zu haben.“ Danielle hüpft aufgeregt von einem Bein auf das andere.

„Er hat gelernt wie man jagt.“

„Naja, eigentlich habe ich vor allem gemerkt, dass ich schon längst richtig jage.“

„Falsch! Ein Gepard wird satt und hört dann auf mit der Jagd nach -er. Das bedeutet es, ein Raubtier zu sein. Auch seine Familie zu versorgen und den Erfolg zu teilen, gehören dazu. Du aber, Peter, hast dich in deinem -er verloren. Du wirst einfach nicht satt. Das ist kein Jagen im Sinne deiner Natur.“

„In der Natur gibt es aber auch Jagende im Blutrausch!!!“

„Die sind fehlgeleitet, sie töten mehr als sie fressen und vertragen können. Unnötig, wie bei dir. Du feierst nicht den Erfolg oder einen Sieg oder ein Talent oder eine Begabung oder deine Existenz an sich, du feierst den Vergleich mit jemand anderem.“

„Jetzt hab ich aber genug von dir, du schäbiges Federvieh!“

Peter beginnt Steine nach dem Geier zu werfen und ihn mit allen Kraftausdrücken zu beschimpfen, die ihm gerade in den Sinn kommen. Mit seinen mächtigen Schwingen erhebt dieser sich und lacht:

„Was ist los, Raubtier? Bist du in einen Dorn getreten? Tut dir dein Pränkchen weh?“

Und so verschwindet der Geier mit wenigen Flügelschlägen in luftigen Höhen, bis er nicht mehr zu erkennen ist.

„Peter?“, flüstert Danielle, „der Geier ist größer und mächtiger als du.“

„Ja, und?!“, raunzt Peter.

„Er hat recht.“

„Danielle, ich bitte dich. Er ist ein Vogel. Auf wessen Seite stehst du eigentlich?!“

„Schau doch mal hin. Dir reicht es nicht, groß zu sein. Du fühlst dich erst gut, wenn du größER bist…als ich zum Beispiel. Du willst nicht schnell sein, denn das reicht ja nicht. Erst wenn du schnellER bist, bist du ok. Wenn du langsamER bist, bist du ein Loser, deswegen machst du noch schnellER. Dein Erfolg geht nur im Vergleich zu anderen. Deswegen wirst du auch niiiieeeeee satt, weil es irgendwo immer jemanden mit noch mehr -er-er-er gibt. Er hat recht.“

„Kein Mensch mag Klugscheißer, Danielle.“, weicht Peter demonstrativ aus.

„Ja, deswegen hörst du dem Geier ja auch nicht zu.“

„Weil er ein Klugscheißer ist.“

„Nein, weil du ein Klugscheißer bist.“

„Hahahaha, ihr seid ja süß.“, der Wildrosenstrauch am Wegesrand beginnt sich vor lauter Gelächter zu rütteln und zu schütteln. Dann streckt er seine Wurzeln in ihre Richtung und umschlingt ihre Arme. Er zieht sie ganz nah zu sich und umrankt die beiden so sehr, dass sie eins mit ihm werden und nicht mehr von ihm loskommen. Bedrohlich nahe kommen ihnen die spitzen Dornen, aber auch die verführerisch duftenden Rosen. Am liebsten würden sie flüchten, aber irgendwie möchten sie auch bleiben und so hängen sie fest, gefangen und beinah zerrissen in diesem Wirrwarr aus Wurzeln, Zweigen, Dornen und Blüten.

-Fortsetzung folgt.

Wie geht es weiter mit Peter und Danielle?

Wenn du immer up-to-date bleiben und über neue Beiträge, Produkte oder Kurse informiert werden möchtest, dann abonniere ganz einfach den Newsletter von Werk.Schätzend über dieses Formular.

Abenteuer Buchprojekt: Gemeinsam durch Ebbe und Flut

Abenteuer Buchprojekt: Gemeinsam durch Ebbe und Flut

Abenteuer Buchprojekt: Gemeinsam durch Ebbe und Flut

Teil 1 zur Entstehungsgeschichte und zu unserem Buch-Abenteuer findest du im Beitrag: Schreibgruppe: Lass mal ein Buch schreiben.

Was tun, mit dem Wolf?

Wie macht man dann also weiter, wenn man einem derartigen Wolf gegenübersteht und eigentlich nur vergnügt an sein Ziel wandern wollte?

Vanessa und ich hatten zunächst überhaupt keine klaren Gedanken, zu groß war die Enttäuschung und das Gefühl mit dieser Veröffentlichung irgendwie allein gelassen worden zu sein. Natürlich war es auch irgendwie besser so für alle Vier und dennoch schmerzte es für eine Weile.

Ich weiß noch, wie ich frustriert mit einer Freundin in einem Café saß und mich bei ihr ausjammerte. Als alles raus war, starteten wir mit dem Brainstorming, wie man das Projekt auf relativ einfache Art noch retten könnte. Auf eine Weise, die Vanessa und mich zumindest teilweise entlasten würde. Auch andere Personen, die den Prozess näher mit verfolgt hatten, ermutigten und inspirierten Vanessa und mich nochmals.

Durch diese Treffen, Worte und Gedanken von Freunden und Bekannten wurde mir wieder einmal klar, wie wichtig gute Freunde sind und wie man einen großen Wolf eventuell besiegen könnte.

Teamwork: Weil wir gemeinsam stärker sind

Wir fingen an Gastautoren und ihre Texte in unser Buchprojekt einzuladen. Wir vergrößerten die Anzahl der Schreibenden und gaben manche Teile vertrauensvoll in sehr gute Hände ab. So verstärkten wir unser Buch-Team auf 16 Personen, mit deren Vielfalt, Power, Kreativität und Wissen wir uns auf den Weg hin zur Veröffentlichung machten. Es gab hierdurch zwar einen größeren Koordinations- und Abspracheaufwand, aber gleichzeitig mussten wir nicht alles nur zu 2. stemmen, was uns in dieser Phase sehr viel wert war.

Ein neues Konzept, andere Gedanken und frische Ideen, ein klares Ziel, viel kreative Freiheit und ein sanfter, aber spürbarer Rahmen brachten uns zu dem nun tatsächlich veröffentlichten Buch: Gemeinsam durch Ebbe und Flut. Dieser Titel ist extra auf unseren Projektprozess zugeschnitten und soll klar machen, dass dieses Buch durch Vielseitigkeit und Individualität entstand und im Ergebnis zu einer schlüssigen Einheit wird. Nur in Projekten mit anderen Menschen gibt es helfende Hände und ermutigende Worte, aber wenn man sich allein durch Ebbe und Flut kämpfen muss, kann das manchmal ganz schön anstrengend sein.

Auch das Pseudonym “Mila Zamm” weist auf den gemeinsamen Weg hin: Wir wollten keinen unserer Namen auf diesem Cover besonders hervorheben, weil wir und all die im Buch vorkommenden helfenden Hände unter diesem Pseudonym gleichwertig sind.

Und während wir so gemeinsam durch Ebbe und Flut wanderten, realisierten wir langsam, dass da kein Wolf mehr war, der uns den Weg versperrte. Viele der früheren Diskussionspunkte lösten sich ganz einfach auf oder waren auf einmal kein Thema mehr. Sie wurden kleiner, verschwanden. Andere Herausforderungen wurden schneller gelöst, entknotet oder einfach in die Mülltonne verbannt.

Vielleicht ist das so, wenn eine große Aufgabe auf viele Schultern verteilt wird, vielleicht fühlt sie sich dann nicht mehr so schwer und so groß an. Vielleicht wurde uns auch klarer, was wir mit dem Buch wirklich wollen oder nicht – wer weiß.

Letztendlich haben wir es nun gemeinsam geschafft. Cool, oder?

Informationen zum Sammelband: Gemeinsam durch Ebbe und Flut

Um was es in unserem Buch “Gemeinsam durch Ebbe und Flut” genau geht, wie es aufgebaut ist und warum es ist, wie es ist, kannst du hier nachlesen. Außerdem ist das Buch in den Shops von Amazon und herzensvoll erhältlich.

Mitwirkende des Geschenkbuchs: Gemeinsam durch Ebbe und Flut

Die Reihenfolge der Namen sagt nichts über die Wertigkeit der Personen oder ihrer Beiträge aus. Diese Auflistung soll wertschätzen und “Danke” sagen, keine Competition fördern oder Punkte vergeben.

Viktor, D.K., Ilea, Viviane, Marisa, Annelie, Rebecca, Antje, Janis, Michi, Chris, Nadine, Tom, Sim, Manuela, Vanessa, Sandra

Peter Kohlmann’s Rolex – Teil 1 der Kurzgeschichte

Peter Kohlmann’s Rolex – Teil 1 der Kurzgeschichte

Peter Kohlmann’s Welt

Peter Kohlmann ist ein wichtiger, viel beschäftigter Mann. Er ist immer in Eile, stets auf dem Weg von A nach B. Durchgetaktet wie die Zeiger auf seiner glänzenden Rolex, gleicht er dem Sekundenzeiger, der unaufhörlich am Rennen ist – angetrieben von seinem eigenen Ehrgeiz. Wie die Rädchen seiner Armbanduhr treiben ihn seine Sehnsucht nach Prestige und sein Drang zu den Großen zu gehören Zeit seines Lebens an.

Peter merkt dabei nicht, dass er wie die Zeiger seiner teuren Armbanduhr eigentlich tagtäglich nur im Kreis rennt, fest angepeitscht von seinen großen Ambitionen.

Wie soll er es auch merken, wenn sich die Followerzahlen rasant vermehren, sich die Umsätze verdoppeln und sein Bürokomplex nun schon um den 14. Stock erweitert wird? Nein, Peter Kohlmann rennt nicht im Kreis. Peter Kohlmann klettert nach oben – und das schnell, eben genauso schnell wie der kleine Sekundenzeiger um die Kurve flitzt.

Wirft man einen Blick in Peter’s Kalender fragt man sich, ob Peter eigentlich auch seinem Sekundenzeiger beweisen möchte, wer hier der Schnellere ist. Denn wenn Peter eine Sache angeht, dann meistens so, dass sein Tempo ihn manchmal sogar selbst überfordert – was er natürlich nie zugeben würde.

Seine maßgefertigten Anzüge lassen jeden schnell wissen, wer da vor ihnen steht und seine auf Hochglanz polierten Wildlederschuhe klackern gleichmäßig im Takt seines inneren Motors. Dabei geben sie automatisch das Tempo für alle in seinem Umfeld vor:

“Ich laufe nur im Highspeed gut”, lautet sein Motto und darauf ist er mächtig stolz.
In diesem Tempo hatte er sich viel erarbeitet; es hatte reibungslos funktioniert, sein ausgeklügeltes System – ganz im Sinne seiner Uhr.

Ticktack-Ticktack-Ticktack.
Beim Duschen das Meeting vorbereiten.
Ticktack-Ticktack-Ticktack.
Beim Joggen darüber sinnieren, wie man sich am besten von der Konkurrenz abheben, ihnen gegebenenfalls eins auswischen könnte.
Ticktack-Ticktack-Ticktack.
Beim Autofahren seiner Sekretärin eine Standpauke halten, weil sie seine Termine durcheinander gebracht hat.
Ticktack-Ticktack-Ticktack.
Essen gehen und währenddessen Mails checken.
Ticktack-Ticktack-Ticktack.
Im Kino netzwerken und Visitenkarten verteilen.
Ticktack-Ticktack-Ticktack.
Sich beim Flirten bereits nach dem nächsten Flirt umsehen.
Ticktack-Ticktack-Ticktack.

Peter Kohlmann’s Leben, meine Damen und Herren, ist immer einen Schritt voraus. Die Warnleuchte bezüglich der Überhitzungsgefahr ist deaktiviert, vielleicht sogar ausgebaut, aber in jedem Fall gut versteckt installiert, so dass ein “Vorwärts-Mann” wie Peter sie eigentlich gar nicht wahrnehmen kann. Deswegen gehört er zu der Sorte von Menschen, die nie wirklich präsent, nie so richtig dabei sind, weil sie eigentlich schon wieder woanders sein müssen.

Wie man nur eine Sache so richtig auskostet, eine Mahlzeit von Anfang bis Ende wirklich genießt und in der Zeit mit Freunden so richtig aufblüht, das weiß er nicht. Sich auf nur eine Sache zu begrenzen, sich mit nur einer Aufgabe oder einem Menschen zu beschäftigen würde ihn viel zu sehr beschränken.

“Einem Kohlmann gebührt mehr Platz und den nimmt er sich auch – selbst wenn es nicht ganz angebracht ist.”, das hatte ihn sein Vater gelehrt und dieses Dogma prägt Peter’s Gegenwart auch heute noch, obwohl sein Vater bereits vor vielen Jahren gestorben war.

Umso erstaunlicher, dass Peter heute seiner Patentochter Danielle den Vorrang gibt.

Die Kleine ist aber auch zum Verlieben schnuckelig und weiß wie sie ihren Patenonkel mit ihrem breiten Zahnlückengrinsen um den Finger wickeln kann. Mit ihrem blonden, gelockten Wuschelkopf, dessen Haare sich wie sie selbst von niemandem bändigen lassen, und den blaugrünen, funkelnden Augen, braucht sie nur noch einen frechen Spruch auf den Lippen und schon ist es um ihn geschehen.

Dagegen ziehen seine Taktiken, um sie zufriedenzustellen – im Gegensatz zu all den anderen Frauen in seinem Leben – bei ihr überhaupt nicht.

Ein teures Geschenk? – Sein Flirt rastet euphorisch aus. Danielle lehnt es ab.
Ein Trip ins Wellnesshotel? – Seine Affäre kreischt vor Freude. Danielle verdreht nur die Augen und lacht.

Frauen hatte er schon immer als kompliziert empfunden, aber Danielle ist ihm ein absolutes Rätsel, ein unergründliches Mysterium. Naja, und der Umgang mit Kindern ist einfach nicht seine Stärke.

Vielleicht konnte Danielle auf diese Art das Ruder an sich reißen und somit zur stärksten Frau in seinem Leben werden, die es wie heute sogar geschafft hatte, dass er ein wichtiges Meeting verschob, nur um mit ihr aus der Stadt hinaus in die Natur zu fahren. Diese gewiefte Rotzgöre hatte ihn sich einfach geschnappt, ihn richtig fest umarmt und ihn damit bewegungsunfähig gemacht. Dann hatte sie nach seiner Hand gegriffen und ihn aus seinem modernen Glasbau gezerrt. Bis dahin wusste er nicht einmal, wer die Siebenjährige ins Büro gebracht hatte. Auf einmal stand sie eben da, wie bei einem Überfall und stibitzte ihn mit einem sanften Ruck von seinem Schreibtisch weg.

Bei ihrem Anblick – und weil sie ihre großen Kulleraugen einsetzte – und weil er im Büro kein Drama haben wollte – und weil er wie der perfekte Patenonkel aussehen wollte – konnte er sich einfach nicht wehren.

Wie ein echter Kohlmann hatte sie zugeschnappt und gesiegt; vielleicht ließ er sie auch deshalb gewähren.

Jetzt, zusammen mit der Kleinen im Auto, geht es ihm richtig gut. Dieses wohlwollende Werk Danielle gegenüber nährt seine Seele und schafft einen feinen Ausgleich zu dem bestimmenden, ansatzweise brüllenden Verhalten, das er manchmal an den Tag legen muss, um seine Position in der Firma halten und sich den nötigen Respekt verschaffen zu können.

Da sitzt sie, lächelt und lässt singend ihre Lockenmähne auf und ab hüpfen. Wenn Peter Danielle so betrachtet, ist er wirklich froh, ihr Patenonkel zu sein. Ganz frech hat sie sein Herz erobert, obwohl er doch sonst kaum zulässt, große Gefühle für jemanden zu hegen.

Außerhalb der Stadt mit ihrem Lärm und den lieblos aneinandergereihten Zweckgebäuden, blicken die beiden auf das weite Grün der Wiesen, das weitläufig von den bunten Akzenten der Wildblumen gesäumt wird.

An einem Wanderparkplatz in der Nähe der viel befahrenen Bundesstraße halten sie an.

Nach dem Aussteigen schnappt sich Danielle ganz fix die Hand ihres Patenonkels und zieht ihn fröhlich hüpfend hinter sich her.

“Danielle, warte, du weißt doch gar nicht wohin du läufst!”

“Weißt du wohin du läufst?”

“Ich weiß immer wohin ich laufe!”, gibt er barsch zurück. “Ich will nur kurz noch einen Blick auf mein Handy werfen.”

“Du hast heute aber Handyverbot.”, erwidert Danielle mit einem strengen Blick, der dem ihrer Mutter verblüffend ähnlich sieht.

“Bitte was ist los?”, antwortet Peter sichtlich genervt und spürt wie sein Augenlid zuckt, als würde in ihm ein Vulkan brodeln. “Da versucht mir doch glatt eine Zwergin Vorschriften zu machen.”, denkt er bei sich. Voller Selbstbeherrschung entscheidet er sich dazu, seinen Ärger nicht an ihr, sondern am Wiesenboden auszulassen und tritt bei jedem Schritt besonders kräftig auf.

Danielle nimmt das unruhige Stampfen ihres Patenonkels sofort wahr. Sie zupft an seinem Kaschmiranzug und haucht mit zuckersüßer Stimme:

“Der Boden mit den Blumen drin und den Tierchen drauf ist fei kein Sauerkraut.”, und wirft ihm einen vorwurfsvollen Blick zu. Peter schaut empört zurück. So bleiben sie im Blick des Anderen kleben, als würden sie sich gegenseitig die Tür in ihre Welten öffnen, sich mitten ins Foyer ihrer Weltanschauungen führen, die normalerweise Lichtjahre voneinander entfernt liegen. Stumme Fragen schwirren durch die Luft, die sich beide nicht auszusprechen wagen.

Nach ein paar Minuten stillen Wanderns durchbricht Danielle die Wand des Schweigens, die Peter ganz geschwind vor sich nach oben gezogen hatte:

“In deinem großen Bürohaus muss ich immer still sein. Ich soll keinen Spaß haben, ich darf nicht rennen oder kichern. Ich soll immer nur Geist spielen und für alle unsichtbar sein. Jetzt bist du aber draußen bei mir, da wo ich immer bin und du nie. Du bist jetzt mein Gast hier, so wie ich Gast von der Wiese bin, aber ich bin auch eine Freundin von der Wiese. Sie mag mich auch laut. Vom Wald bin ich auch eine Freundin und vom Fluss und von den Tieren natürlich. Wir Freunde haben miteinander gesprochen und wir sagen alle, dass dein Handy hier der Geist sein muss. Und wir sind nett, weil nur das Handy ein Geist sein muss – du nicht.”

Ticketititack-Ticketacktack-Taaahaaack.
Peter’s Herz beginnt zu rasen.
Ticketuckatacka-Tack.
“Was ist hier los?”
Ticketacke-TickTick-Tick.
Peter blickt auf seine Rolex.
Krrruuckrrraaa.
Sie steht still.
Krrraackrrruuu.
Sie läuft rückwärts.
Tacktick-Tacktick-Tacktick.
Peter blickt sich panisch um.
Tacktick-Tacktick-Tacktick.
“So kann ich nicht schnell genug sein.”
Tacktick-Tacktick-Tacktick
Danielle blickt ihn verwundert an.
Tacktick-Tacktick-Tacktick
“In meiner Welt musst du das auch nicht.”

-Fortsetzung folgt.

Wann kommt die Fortsetzung?

Wenn du wissen willst, wie es mit Peter und Danielle weitergeht, dann abonniere am besten den Blog bzw. Newsletter. Somit erhältst du zeitnah alle Informationen über die Texte von Werk.Schätzend und die jeweilige Art der Veröffentlichung.

Und wie sieht man richtig aus? – Eine Hommage an den Film “Wunderschön” zum Weltfrauentag

Und wie sieht man richtig aus? – Eine Hommage an den Film “Wunderschön” zum Weltfrauentag

Und wie sieht man richtig aus? – Eine Hommage an den Film “Wunderschön” zum Weltfrauentag

(Könnte triggern)

Elena und Vera trafen sich wie immer am Startpunkt ihrer Wanderroute. Normalerweise freute Elena sich auf diese Touren und die Qualitätszeit mit ihrer Freundin. Schließlich war das ihr kleines Ritual, das sie auf besondere Weise miteinander verband.
Allerdings machte Elena sich in letzter Zeit mit jeder gemeinsam abgewanderten Route mehr Sorgen um Vera.

Vera war vom Typ her ganz anders als Elena. Nicht so verspielt, dafür umso ehrgeiziger und erfolgsorientiert. Sie träumte von einer großen Karriere, viel Urlaub und davon irgendwann gar nicht mehr arbeiten zu müssen, sondern sich den ganzen Tag bedienen zu lassen.

Deswegen drehten sich die Gespräche zwischen den Freundinnen ganz häufig um die Arbeit. Sogar ihre abenteuerlichen Wanderungen schienen sich von gemeinsamen Erlebnissen und Entdeckungen immer mehr in Richtung “erreichte Ziele” zu entwickeln. Was Elena anfangs noch als lustigen Wettstreit empfand, raubte ihr irgendwann immer mehr Freude am Wandern und der gemeinsamen Zeit.

Als sie diese wöchentlichen Touren vor knapp zwei Jahren begonnen hatten, ging es noch um Bewegung, um Spaß, Schönheit und vor allem um ihre Zeit als Freundinnen. Mittlerweile aber spürte Elena jedes Mal, wenn sie in den See sprang, Vera’s vergleichenden Blick auf ihrem Körper ruhen. Sie bemerkte die immer schmaler werdenden Arme und Beine, die ihre Freundin eine ganze Zeit lang unter großen Klamotten verborgen hatte und jetzt im Sommer regelrecht zur Schau stellte. Während sich die beiden anfangs noch zu gleichen Teilen mit Energie in Form von leckeren Broten, Obst, Gemüse oder kleinen Wandermenüs versorgten, knabberte Vera mittlerweile pro Tagestour nur noch an ein paar Nüsschen. Wenn es gut lief an einem Ei oder einer Banane.

Da war dieser ständige Vergleich, der permanente Druck, der wie eine Wolke über Vera hing und sich nun auch auf ihre Freundschaft zu Elena auswirkte.

Elena verstand das alles nicht so recht. Sie hatte Vera schon immer als hübsch in Erinnerung, auch ohne Sixpack. Die permanenten Vergleiche nervten sie ein bisschen, zumal sie ja gar nicht mit Vera konkurrieren wollte. Alles was Elena wollte, war eine schöne Zeit zu zweit und Spaß beim Wandern. Also nahm sie sich fest vor, Vera auf ihre sorgenbeladenen Gedanken anzusprechen.

Nachdem die beiden sich eingelaufen hatten und der erste Anstieg überwunden war, ließen sie sich kurz zu einer Rast nieder.

“Willst du was von meinen Gemüsepatties?”, fragte Elena und blickte ihre Freundin fröhlich und auffordernd an.

“Nein, ich bin noch satt vom Frühstück.”

Elena schüttelte innerlich traurig den Kopf. Sie grübelte, machte den Mund auf, stockte dann aber und bekam dann doch kein einziges Wort heraus. Sie hatte so viele Gedanken, aber sie in Worte zu fassen, ohne ihrer Freundin zu nahe zu treten, fiel ihr dann doch schwerer als gedacht.

“Ist irgendwas?”, fragte Vera argwöhnisch. Die seltsamen, fischähnlichen Mund-auf-Mund-zu-Bewegungen ihrer Freundin waren ihr nämlich keinesfalls entgangen.

“Naja, ich frage mich manchmal, warum du so viel weniger Energie brauchst als ich.”

“Tja, ich bin halt besser – also mein Stoffwechsel.”, kicherte Vera.

“Weißt du, ich finde, du siehst zur Zeit irgendwie dünner aus. Machst du eine Diät? Also nimmst du gerade ab, oder so?”

Vera machte große Augen und schrie dann beinahe: “Endlich jemand, der es sieht! Die Kollegen haben mich auch gefragt. Aber der, der es sehen soll, der sieht es nicht!!”

Elena wurde das Gespräch irgendwie unangenehm – eigentlich hatte sie sich gewünscht, dass ihr Sorgenberg kleiner werden würde, stattdessen wuchs er jetzt aber an.

“Wer soll es denn sehen?”, fragte Elena vorsichtig.

“Na, mein Chef! Es ist alles zu viel! Er muss doch sehen, dass mir das nicht gut tut, wenn es schon auf meinen Körper umschlägt. Das ist der Stress, sag ich dir.”

“Hast du ihm das gesagt? Dass es zu viel ist?”

“Ja.”

“Und?”

“Ich soll mich besser organisieren.”

“Und wechseln?”

“Echt? Einen Jobwechsel? Findest du, dass ich das machen sollte?”

Elena blickte ihrer Freundin tief in die Augen, aber sie bekam nichts zurück. Keine Resonanz, kein Gefühl, einfach nichts. Als würde sie mit einer leeren Hülle sprechen. Das Leben im Inneren ihrer Freundin war verschwunden – da war nur noch diese immer weiter um sich greifende Leere übrig.

“Ich weiß nicht, ob ein Wechsel gut für dich ist, aber ich weiß, dass du entweder zum Arzt gehen oder wieder mehr essen solltest. Ich mache mir Sorgen um dich.”, sagte Elena mit zitternder Stimme.

Vera knabberte nervös an ihren Fingernägeln und sagte: “So schlimm ist es jetzt auch wieder nicht.”

Aber Elena ließ sich nicht ablenken. Bestimmt und überzeugt, antwortete sie ihr: “Ich werde nachfragen. Ich werde fragen, ob du beim Arzt warst. Ich werde fragen, ob sich deine Balance im Job verbessert hat. Und ab sofort beißt du gefälligst mindestens einmal in mein Brot, wenn du mit mir wandern gehst – und das steigern wir dann!”

Tränen standen in Elena’s Augen, während sie ihre Freundin anblickte, die nur noch ein fahler Schatten ihrer Selbst zu sein schien. Dann stand Vera plötzlich auf, zog Elena unerwartet zu sich nach oben, nahm sie in den Arm und drückte sie so fest an sich, dass Elena kaum Luft bekam.

“Du bist wahrscheinlich die beste Freundin, die ich jemals hatte! Aber weißt du, es ist alles gut. Du musst nicht so aufgewühlt sein. Es ist wirklich nicht so schlimm. Außerdem habe ich ja kein Problem oder so. Mein Chef hat eines. Mit mir ist alles okay. Der Boss muss seinen Shit kapieren. Und wenn du es gesehen hast, dann wird er das auch bald. Du wirst schon sehen, dann ändert er sich und dann wird alles einfacher. Ernsthaft, mach dir keine Sorgen.”

Vera ließ Elena los und spurtete davon. Elena aber weinte bitterlich und schimpfte auf die Selbstoptimierung, den Leistungsdruck, Süchte und auf alles, was ihr sonst noch einfiel. Mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend trottete sie Vera hinterher und nahm sich fest vor, mit ihrer Mentorin über diese Situation zu sprechen und nach Hilfe zu fragen.

Film: “Wunderschön” – Filmempfehlung

Vera und Elena, wie in der Kurzgeschichte – Julie, Vicky und Sonja, wie im Film – oder geht es da nicht doch auch irgendwie um uns alle?

Heute zum Weltfrauentag empfehle ich, unbeauftragt und unbezahlt, dafür aus Überzeugung diesen Film. Es sei dazu gesagt, dass er triggern und die sensibleren Menschen unter uns durchaus aufwühlen könnte. Deswegen: Gib gut auf dich selber acht.

Im Film “Wunderschön” geht es um verschiedene Frauen, die auf die ein oder andere Art mit ihrem Selbstbild zu kämpfen haben. Diese Selbstzweifel und Sorgen wirken sich letztlich auch auf ihr Umfeld, ihre Partner, ihre Familien und ihre Jobs aus. Der Film ist auf sehr vielen Ebenen emotional und transportiert gefühlt zig verschiedene Messages, die sich an jede Altersklasse richten und unter der großen Frage: “Fühlst du dich in und mit dir selbst wohl?”, vereint werden.

Es handelt sich dabei nicht um einen Frauenfilm, sondern geht alle Geschlechter gleichermaßen an.

Was mir besonders aufgefallen ist:

Ich werde hier nicht anfangen, Aussagen vorwegzunehmen. Schließlich will ich nicht spoilern. Ich selbst habe aber einen Aspekt, der neben der Kernbotschaft vielleicht nicht jedem auffällt, als besonders wichtig empfunden:

Es ist der Gedanke, dass wir alle keine Inseln sind. Wir Menschen sind auf die ein oder andere Art miteinander verknüpft, sei es sozial, familiär oder im Arbeitskontext. Mir ist aufgefallen, dass die Charaktere selbst wieder zufriedener werden und sich wieder mehr als “gesehen” wahrnehmen, wenn sie ihre eigenen Augen wieder aufmachen. Wenn sie weg von sich selbst und wieder hin zu ihrem Gegenüber blicken, statt nur und permanent zu erwarten und einzufordern, selbst gesehen zu werden.

Der Blick hin zu unserem Gegenüber lässt zu, dass wir auch selbst wieder einen Blick ergattern können und von einem Augenpaar mehr gesehen werden.

Mit diesem Gedanken lasse ich dich nun allein und wünsche dir noch einen schönen Frauentag!