Abenteuer Buchprojekt: Gemeinsam durch Ebbe und Flut

Abenteuer Buchprojekt: Gemeinsam durch Ebbe und Flut

Abenteuer Buchprojekt: Gemeinsam durch Ebbe und Flut

Teil 1 zur Entstehungsgeschichte und zu unserem Buch-Abenteuer findest du im Beitrag: Schreibgruppe: Lass mal ein Buch schreiben.

Was tun, mit dem Wolf?

Wie macht man dann also weiter, wenn man einem derartigen Wolf gegenübersteht und eigentlich nur vergnügt an sein Ziel wandern wollte?

Vanessa und ich hatten zunächst überhaupt keine klaren Gedanken, zu groß war die Enttäuschung und das Gefühl mit dieser Veröffentlichung irgendwie allein gelassen worden zu sein. Natürlich war es auch irgendwie besser so für alle Vier und dennoch schmerzte es für eine Weile.

Ich weiß noch, wie ich frustriert mit einer Freundin in einem Café saß und mich bei ihr ausjammerte. Als alles raus war, starteten wir mit dem Brainstorming, wie man das Projekt auf relativ einfache Art noch retten könnte. Auf eine Weise, die Vanessa und mich zumindest teilweise entlasten würde. Auch andere Personen, die den Prozess näher mit verfolgt hatten, ermutigten und inspirierten Vanessa und mich nochmals.

Durch diese Treffen, Worte und Gedanken von Freunden und Bekannten wurde mir wieder einmal klar, wie wichtig gute Freunde sind und wie man einen großen Wolf eventuell besiegen könnte.

Teamwork: Weil wir gemeinsam stärker sind

Wir fingen an Gastautoren und ihre Texte in unser Buchprojekt einzuladen. Wir vergrößerten die Anzahl der Schreibenden und gaben manche Teile vertrauensvoll in sehr gute Hände ab. So verstärkten wir unser Buch-Team auf 16 Personen, mit deren Vielfalt, Power, Kreativität und Wissen wir uns auf den Weg hin zur Veröffentlichung machten. Es gab hierdurch zwar einen größeren Koordinations- und Abspracheaufwand, aber gleichzeitig mussten wir nicht alles nur zu 2. stemmen, was uns in dieser Phase sehr viel wert war.

Ein neues Konzept, andere Gedanken und frische Ideen, ein klares Ziel, viel kreative Freiheit und ein sanfter, aber spürbarer Rahmen brachten uns zu dem nun tatsächlich veröffentlichten Buch: Gemeinsam durch Ebbe und Flut. Dieser Titel ist extra auf unseren Projektprozess zugeschnitten und soll klar machen, dass dieses Buch durch Vielseitigkeit und Individualität entstand und im Ergebnis zu einer schlüssigen Einheit wird. Nur in Projekten mit anderen Menschen gibt es helfende Hände und ermutigende Worte, aber wenn man sich allein durch Ebbe und Flut kämpfen muss, kann das manchmal ganz schön anstrengend sein.

Auch das Pseudonym “Mila Zamm” weist auf den gemeinsamen Weg hin: Wir wollten keinen unserer Namen auf diesem Cover besonders hervorheben, weil wir und all die im Buch vorkommenden helfenden Hände unter diesem Pseudonym gleichwertig sind.

Und während wir so gemeinsam durch Ebbe und Flut wanderten, realisierten wir langsam, dass da kein Wolf mehr war, der uns den Weg versperrte. Viele der früheren Diskussionspunkte lösten sich ganz einfach auf oder waren auf einmal kein Thema mehr. Sie wurden kleiner, verschwanden. Andere Herausforderungen wurden schneller gelöst, entknotet oder einfach in die Mülltonne verbannt.

Vielleicht ist das so, wenn eine große Aufgabe auf viele Schultern verteilt wird, vielleicht fühlt sie sich dann nicht mehr so schwer und so groß an. Vielleicht wurde uns auch klarer, was wir mit dem Buch wirklich wollen oder nicht – wer weiß.

Letztendlich haben wir es nun gemeinsam geschafft. Cool, oder?

Informationen zum Sammelband: Gemeinsam durch Ebbe und Flut

Um was es in unserem Buch “Gemeinsam durch Ebbe und Flut” genau geht, wie es aufgebaut ist und warum es ist, wie es ist, kannst du hier nachlesen. Außerdem ist das Buch in den Shops von Amazon und herzensvoll erhältlich.

Mitwirkende des Geschenkbuchs: Gemeinsam durch Ebbe und Flut

Die Reihenfolge der Namen sagt nichts über die Wertigkeit der Personen oder ihrer Beiträge aus. Diese Auflistung soll wertschätzen und “Danke” sagen, keine Competition fördern oder Punkte vergeben.

Viktor, D.K., Ilea, Viviane, Marisa, Annelie, Rebecca, Antje, Janis, Michi, Chris, Nadine, Tom, Sim, Manuela, Vanessa, Sandra

Frauenabend Zelttage Hohenlohe

Frauenabend Zelttage Hohenlohe

Frauenabend Zelttage Hohenlohe

So war das ja gar nicht geplant oder erwartet!

Eigentlich hatte ich doch nur – und das auch sehr spontan – angefragt, ob ich unser Buch auf dieser Veranstaltung auf dem Büchertisch auslegen könnte. Das wurde dann auch sofort und super freundlich in die Wege geleitet. Kein langes Hinterfragen oder zig Hürden, die erst einmal genommen werden müssen. Das war wirklich schön. Ich liebe es, wenn Türen auf einem Weg entweder einfach aufgehen oder schon offen sind, wenn ich komme.

Also habe ich ein paar unserer Bücher „Gemeinsam durch Ebbe und Flut“ in die Hand genommen und am Aufbautag zum Zelt gebracht. Einpacken, abgeben und fertig. Dann einfach hoffen, dass jemand ganz interessiert, unter all den anderen Büchern, ausgerechnet unser Buch in die Hände nimmt. Mehr kann man ja bei einem Büchertisch nicht wirklich tun, außer den Sammelband mit einem Eyecatcher zu versehen oder präsent zu sein und aktiv über das Geschenkbuch zu sprechen.

Ein offenes Tor für unser Buch

Als ich dann eigentlich schon wieder gehen wollte, sprach mich eine wunderbare Frau an, die mir schon zu mancher Zeit so manchen Weg geebnet oder ihn zumindest im Hintergrund begleitet hat. Und auch an diesem Tag bearbeitete sie die geöffnete Tür und vergrößerte sie zu einem offenen Tor:

„Wir können dich mit einer Buchvorstellung ins Vorprogramm einer Abendveranstaltung bringen. Hast du Lust? Überleg einfach mal.“

Wow. Was für eine Chance.

Text: “Chosen” – Gewählt

Als der Abend gekommen war, war ich so aufgeregt wie schon lange nicht mehr. Ich hatte noch nie ein Buch vorgestellt oder einen Text vor so vielen Frauen vorgelesen. Der Strom der eintretenden Frauen riss nicht ab und das Zelt wurde immer voller, was mich nicht gerade entspannter machte, aber dennoch freute.

Zuvor hatte ich mir ein paar Mal gesagt:

„Mach keine Show daraus. Erzähl einfach die Entstehungsgeschichte, was schön und herausfordernd war. Erzähl von dem was dir Spaß macht.“

Und das tat ich dann auch, ohne Notizen und mit einigen „Ähms“ gespickt. Einfach ich, wenn ich aufgeregt und nervös bin, weil so viele Augen auf mich gerichtet sind.

Nachdem ich über die Entstehung von “Gemeinsam durch Ebbe und Flut” gesprochen hatte und etwas auf den Inhalt eingegangen war, durfte ich mit einem meiner Texte aus dem Buch abschließen. Ich entschied mich für „Chosen“. Dieser Text handelt von unserer Würde und unserem Wert als Menschen, unabhängig davon was wir tun oder wo wir sind.

Mein Knie hat gezittert, meine Hände haben gekribbelt, meine Stimme war brüchig – und dennoch und trotzdem galt „Chosen“ auch in diesem Moment für mich und alle Anwesenden im Zelt. Das zu wissen beruhigt einfach sehr.

Danke an das Zelt-Orga-Team

Ich bin super dankbar für diese Möglichkeit und habe mich sehr gefreut, bei euch im Zelt sein zu dürfen. Und weil der Abend unter dem Motto “Dankbarkeit” stand, gilt auch mein Dank für dieses spontane “ins-Programm-Einbauen” euch vom Zelt-Orga-Team, vor allem dir, Jutta, und natürlich auch den fleißigen Frauen vom Büchertisch.

Jetzt ist unser kleines Büchlein auch hier in der Region ein bisschen bekannter und das freut uns alle sehr.

Schreibgruppe: Lass mal ein Buch schreiben

Schreibgruppe: Lass mal ein Buch schreiben

Schreibgruppe: Lass mal ein Buch schreiben

Lass mal ein Buch schreiben

Mit diesem Titel startete unser Buchprojekt. Ursprünglich waren wir mit diesem Projekt in ein Gruppenkonzept einer Gemeinde integriert. Diese Gruppen finden sich, indem sich ein Leiter mit einem Co-Leiter zusammenschließt und ein bestimmtes Interessensgebiet zur Anmeldung und Teilnahme anbietet. Die Treffen der Gruppen drehen sich auf unterschiedliche Art um dieses Themengebiet. Da gibt es Gruppentreffen mit kreativen Projekten, sportlichen Herausforderungen oder auch Glaubensthemen.

Die Interessensgruppen

Als ich zum ersten Mal von diesem Konzept gehört habe, war ich ziemlich aus dem Häuschen. Für jemanden, der gerne Neues ausprobiert, aber nicht für Jahre in einem Projekt oder einer Gruppe festhängen will, ist das ein super Konzept. Jede Person hat nach einer bestimmten Laufzeit (ca. 3-4 Monate), die Chance etwas Anderes anzubieten oder in einer anderen Gruppe Teilnehmer zu sein – unabhängig davon, ob die Person teilnimmt oder die Treffen leitet. Für alle Beteiligten ist es also leichter eine Gruppe auch wieder zu beenden oder zu verlassen. Für vielseitig interessierte Menschen ist das wirklich klasse.

Bei einem derartigen Gruppenangebot ist es – nach meiner Erfahrung – jedenfalls wichtig, dass die zugehörigen Strukturen auf die Bedürfnisse der jeweiligen Gruppe oder des jeweiligen Projektes zugeschnitten werden. Je nach Ziel oder Inhalt, braucht eine Gruppe mehr oder weniger, weitere oder engere Strukturen, um die Dynamik zu fördern und den Leitenden und Teilnehmenden die nötige Sicherheit, Individualität und Freiheit für ihre Gruppe zu geben.

Tipp von mir persönlich: Falls du in deinem Verein oder deiner Gemeinde auch ein derartiges Konzept umsetzen willst, feiere ich das extrem! Bitte komm aber nicht auf die Idee, dass ein einziges strukturelles Konzept für alle deine Mitarbeitenden und Gruppen pauschal richtig ist. So wie jede Pflanze unterschiedliche Bedingungen bevorzugt, um sprießen und gedeihen zu können, so wird es vermutlich auch mit deinen Gruppen sein.

Der Schreibclub: Lass mal ein Buch schreiben…

Über die Anmeldemöglichkeit haben sich 3 Frauen für „Lass mal ein Buch schreiben…“ angemeldet. Unser Ziel war natürlich, ein Buch zu schreiben. Aber ganz sicher nicht, dieses auch zu veröffentlichen. Der Ursprungsgedanke war, dass wir das Buch für jede Einzelne von uns schreiben möchten, als Erinnerung sozusagen.

Ich habe das Projekt vor allem wegen dem Spaß initiiert, weil ich meine Liebe zum Schreiben wieder entdeckt hatte, das teilen wollte und weil ich mir gewünscht habe, dass auch andere erkennen dürfen wie wertvoll genau diese kreative Ausdrucksweise ist.

Als ein Team setzten wir einen Visionssatz fest und machten uns viele Gedanken darüber, wie dieses Büchlein wohl werden sollte. Diese Gedanken waren sich manchmal total ähnlich, aber in manchen Teilen auch extrem unterschiedlich. Wen wundert es auch, bei 4 Frauen, die sich kaum kannten und sich nur online zum Austausch trafen. Wegen des Lockdowns konnten wir uns nämlich tatsächlich nur in Online-Meetings treffen.

Bestimmt wisst ihr alle, wie herausfordernd diese Art der Kommunikation für ein Team sein kann. Gleichzeitig durften wir aber auch feststellen, dass dieses wöchentliche Treffen zu einem sehr wichtigen Termin für uns wurde.

Wir schrieben von Woche zu Woche Texte zu verschiedenen Themen und lasen sie uns im Treffen gegenseitig vor. Wir verbannten unseren inneren Kritiker vor die Tür und feierten unsere Texte gegenseitig. Jede Woche bekam jede Einzelne ein wertschätzendes Feedback, jede Woche lernten wir mehr übereinander, jede Woche wuchs jemand über sich hinaus, weil er schreibend etwas Anderes ausprobierte. Manchmal lachten wir zusammen und manchmal weinten wir auch, weil manche Texte und Gedichte so tief gingen. Diese Treffen gaben uns etwas Halt, als wir während des Lockdowns in der Luft hingen und so wurden sie zu Terminen, die wir nicht mehr missen wollten.

Die Schätze auf dem Weg hin zum eigenen Buch

Ich persönlich war sehr begeistert darüber, wie ehrlich die Frauen geschrieben haben, wie diese Gruppe zu einem sicheren Ort wurde und wie ich sehen durfte, was ich mir gewünscht hatte: Dass die Teilnehmerinnen sich ein bisschen ins Schreiben verlieben und sich in ihrer Ausdrucksweise ausprobieren, mutig mit ihrem Schreibstil werden und sich etwas zutrauen. Das wurde in unserer gemeinsamen Zeit zu einem Stück Realität, die ich beobachten durfte.

Ein Schritt weiter: Veröffentlichung – Ja oder Nein?

Irgendwann kamen von innen und auch von außen Impulse, darüber nachzudenken, das Buch nicht nur für uns zu schreiben, sondern vielleicht auch ein paar mehr zu drucken und dann für andere zugänglich zu machen oder das Buch vielleicht sogar ganz zu veröffentlichen.

Als wir sicherer mit unseren geschriebenen Werken wurden und merkten, wie gut uns das Schreiben und Vorlesen tat, fing dieser Gedanke an uns mehr und mehr zu gefallen. Vielleicht könnte unser Buch mit unseren eigenen Texten ja auch anderen etwas bringen? Und so entschlossen wir uns gemeinsam für diesen Schritt.

Wow.

So richtig Ahnung, auf was wir uns da einließen, hatten wir nämlich eigentlich nicht. Je mehr wir uns also mit der Veröffentlichung beschäftigten, je mehr aus diesem Spaßprojekt Ernst wurde, je mehr wir zu den Themen Finanzen, Rechte, Layout, Cover usw. recherchieren, entscheiden und diskutieren mussten, desto mehr rasselten wir aneinander. Unser kreativer Vibe wurde gestört und unter strukturorientierten Denkweisen und organisatorischem Mehraufwand begraben. Wir merkten, dass wir uns in diesem Prozess ein bisschen verloren hatten und verzettelten uns in unseren unterschiedlichen Vorlieben und Ansichten. So sehr wir zuvor auch aufeinander eingehen konnten, desto mehr verschwand diese Fähigkeit unter dem Öffentlichkeitsdruck. Ganz davon abgesehen, fraß dieser Zusatzaufwand mehr Zeit und Energie als manche von uns, neben ihren Jobs und anderen Verpflichtungen, eigentlich hatten.

Eine Herausforderung im Wolfspelz

Und dann stand er auf einmal vor uns. Dieser grimmige Wolf, der seine Zähne fletschte und bösartig knurrte, als wolle er sagen:

„Ihr kommt hier nicht vorbei.“

Das Abenteuer „Buchprojekt“ drohte zu scheitern, als wir realisierten, dass die Herausforderung für dieses 4-er-Team zu groß wurde. Wir entschieden zusammen, dass sich der gemeinsame Weg trennen musste und so verließen zwei unserer Schreiberinnen das Projekt. Damit jede zumindest ihr eigenes Büchlein bekommen konnte, wie zu Beginn versprochen, stellten wir dieses noch fertig: Unser Büchlein mit unseren Texten aus unseren sehr persönlichen, wertvollen Treffen – nur für uns Vier.

Der Wolf „Veröffentlichung“ schien so groß zu sein, dass es wohl besser gewesen war, sich zu trennen, damit sich zumindest ein Teil unseres Teams in Sicherheit bringen konnte. Vorsichtig und instinktiv brachten sie sich in eine sicherere Umgebung, in denen sie sich ausruhen und den Schreck verarbeiten konnten.

Da jeder Mensch unterschiedlich mit den Wölfen umgeht, die seinen Weg kreuzen, mussten Vanessa und ich diesen Rückzug akzeptieren, auch wenn wir es uns für alle anders gewünscht hätten.

Da standen wir nun, Vanessa und ich. Kurz vor dem Ziel unseres Weges. Eigentlich schon beinahe fertig und nun doch wieder nicht. Dieser gruselige Wolf hatte es geschafft, dass wir zwei Teammitglieder verloren hatten und mit ihnen auch ihre Texte. Und ja, da flossen Tränen, da war auch Wut und ein bisschen Sprachlosigkeit, weil wir nicht wussten, wie wir jetzt noch einmal so viel Arbeit nachholen sollten, um an diesem Wolf vorbei zu gelangen – mit weniger Womanpower, versteht sich…

Wie sollten wir diesen bedrohlichen Wolf nur besiegen? Sollten wir auch aufgeben und uns in Sicherheit bringen?

Was wurde aus dem Buchprojekt?

Wie es mit unserem Projekt weiterging und was wir mit diesem nervigen Wolf machten, erfährst du unter: Abenteuer Buchprojekt: Gemeinsam durch Ebbe und Flut.

Peter Kohlmann’s Rolex – Teil 1 der Kurzgeschichte

Peter Kohlmann’s Rolex – Teil 1 der Kurzgeschichte

Peter Kohlmann’s Welt

Peter Kohlmann ist ein wichtiger, viel beschäftigter Mann. Er ist immer in Eile, stets auf dem Weg von A nach B. Durchgetaktet wie die Zeiger auf seiner glänzenden Rolex, gleicht er dem Sekundenzeiger, der unaufhörlich am Rennen ist – angetrieben von seinem eigenen Ehrgeiz. Wie die Rädchen seiner Armbanduhr treiben ihn seine Sehnsucht nach Prestige und sein Drang zu den Großen zu gehören Zeit seines Lebens an.

Peter merkt dabei nicht, dass er wie die Zeiger seiner teuren Armbanduhr eigentlich tagtäglich nur im Kreis rennt, fest angepeitscht von seinen großen Ambitionen.

Wie soll er es auch merken, wenn sich die Followerzahlen rasant vermehren, sich die Umsätze verdoppeln und sein Bürokomplex nun schon um den 14. Stock erweitert wird? Nein, Peter Kohlmann rennt nicht im Kreis. Peter Kohlmann klettert nach oben – und das schnell, eben genauso schnell wie der kleine Sekundenzeiger um die Kurve flitzt.

Wirft man einen Blick in Peter’s Kalender fragt man sich, ob Peter eigentlich auch seinem Sekundenzeiger beweisen möchte, wer hier der Schnellere ist. Denn wenn Peter eine Sache angeht, dann meistens so, dass sein Tempo ihn manchmal sogar selbst überfordert – was er natürlich nie zugeben würde.

Seine maßgefertigten Anzüge lassen jeden schnell wissen, wer da vor ihnen steht und seine auf Hochglanz polierten Wildlederschuhe klackern gleichmäßig im Takt seines inneren Motors. Dabei geben sie automatisch das Tempo für alle in seinem Umfeld vor:

“Ich laufe nur im Highspeed gut”, lautet sein Motto und darauf ist er mächtig stolz.
In diesem Tempo hatte er sich viel erarbeitet; es hatte reibungslos funktioniert, sein ausgeklügeltes System – ganz im Sinne seiner Uhr.

Ticktack-Ticktack-Ticktack.
Beim Duschen das Meeting vorbereiten.
Ticktack-Ticktack-Ticktack.
Beim Joggen darüber sinnieren, wie man sich am besten von der Konkurrenz abheben, ihnen gegebenenfalls eins auswischen könnte.
Ticktack-Ticktack-Ticktack.
Beim Autofahren seiner Sekretärin eine Standpauke halten, weil sie seine Termine durcheinander gebracht hat.
Ticktack-Ticktack-Ticktack.
Essen gehen und währenddessen Mails checken.
Ticktack-Ticktack-Ticktack.
Im Kino netzwerken und Visitenkarten verteilen.
Ticktack-Ticktack-Ticktack.
Sich beim Flirten bereits nach dem nächsten Flirt umsehen.
Ticktack-Ticktack-Ticktack.

Peter Kohlmann’s Leben, meine Damen und Herren, ist immer einen Schritt voraus. Die Warnleuchte bezüglich der Überhitzungsgefahr ist deaktiviert, vielleicht sogar ausgebaut, aber in jedem Fall gut versteckt installiert, so dass ein “Vorwärts-Mann” wie Peter sie eigentlich gar nicht wahrnehmen kann. Deswegen gehört er zu der Sorte von Menschen, die nie wirklich präsent, nie so richtig dabei sind, weil sie eigentlich schon wieder woanders sein müssen.

Wie man nur eine Sache so richtig auskostet, eine Mahlzeit von Anfang bis Ende wirklich genießt und in der Zeit mit Freunden so richtig aufblüht, das weiß er nicht. Sich auf nur eine Sache zu begrenzen, sich mit nur einer Aufgabe oder einem Menschen zu beschäftigen würde ihn viel zu sehr beschränken.

“Einem Kohlmann gebührt mehr Platz und den nimmt er sich auch – selbst wenn es nicht ganz angebracht ist.”, das hatte ihn sein Vater gelehrt und dieses Dogma prägt Peter’s Gegenwart auch heute noch, obwohl sein Vater bereits vor vielen Jahren gestorben war.

Umso erstaunlicher, dass Peter heute seiner Patentochter Danielle den Vorrang gibt.

Die Kleine ist aber auch zum Verlieben schnuckelig und weiß wie sie ihren Patenonkel mit ihrem breiten Zahnlückengrinsen um den Finger wickeln kann. Mit ihrem blonden, gelockten Wuschelkopf, dessen Haare sich wie sie selbst von niemandem bändigen lassen, und den blaugrünen, funkelnden Augen, braucht sie nur noch einen frechen Spruch auf den Lippen und schon ist es um ihn geschehen.

Dagegen ziehen seine Taktiken, um sie zufriedenzustellen – im Gegensatz zu all den anderen Frauen in seinem Leben – bei ihr überhaupt nicht.

Ein teures Geschenk? – Sein Flirt rastet euphorisch aus. Danielle lehnt es ab.
Ein Trip ins Wellnesshotel? – Seine Affäre kreischt vor Freude. Danielle verdreht nur die Augen und lacht.

Frauen hatte er schon immer als kompliziert empfunden, aber Danielle ist ihm ein absolutes Rätsel, ein unergründliches Mysterium. Naja, und der Umgang mit Kindern ist einfach nicht seine Stärke.

Vielleicht konnte Danielle auf diese Art das Ruder an sich reißen und somit zur stärksten Frau in seinem Leben werden, die es wie heute sogar geschafft hatte, dass er ein wichtiges Meeting verschob, nur um mit ihr aus der Stadt hinaus in die Natur zu fahren. Diese gewiefte Rotzgöre hatte ihn sich einfach geschnappt, ihn richtig fest umarmt und ihn damit bewegungsunfähig gemacht. Dann hatte sie nach seiner Hand gegriffen und ihn aus seinem modernen Glasbau gezerrt. Bis dahin wusste er nicht einmal, wer die Siebenjährige ins Büro gebracht hatte. Auf einmal stand sie eben da, wie bei einem Überfall und stibitzte ihn mit einem sanften Ruck von seinem Schreibtisch weg.

Bei ihrem Anblick – und weil sie ihre großen Kulleraugen einsetzte – und weil er im Büro kein Drama haben wollte – und weil er wie der perfekte Patenonkel aussehen wollte – konnte er sich einfach nicht wehren.

Wie ein echter Kohlmann hatte sie zugeschnappt und gesiegt; vielleicht ließ er sie auch deshalb gewähren.

Jetzt, zusammen mit der Kleinen im Auto, geht es ihm richtig gut. Dieses wohlwollende Werk Danielle gegenüber nährt seine Seele und schafft einen feinen Ausgleich zu dem bestimmenden, ansatzweise brüllenden Verhalten, das er manchmal an den Tag legen muss, um seine Position in der Firma halten und sich den nötigen Respekt verschaffen zu können.

Da sitzt sie, lächelt und lässt singend ihre Lockenmähne auf und ab hüpfen. Wenn Peter Danielle so betrachtet, ist er wirklich froh, ihr Patenonkel zu sein. Ganz frech hat sie sein Herz erobert, obwohl er doch sonst kaum zulässt, große Gefühle für jemanden zu hegen.

Außerhalb der Stadt mit ihrem Lärm und den lieblos aneinandergereihten Zweckgebäuden, blicken die beiden auf das weite Grün der Wiesen, das weitläufig von den bunten Akzenten der Wildblumen gesäumt wird.

An einem Wanderparkplatz in der Nähe der viel befahrenen Bundesstraße halten sie an.

Nach dem Aussteigen schnappt sich Danielle ganz fix die Hand ihres Patenonkels und zieht ihn fröhlich hüpfend hinter sich her.

“Danielle, warte, du weißt doch gar nicht wohin du läufst!”

“Weißt du wohin du läufst?”

“Ich weiß immer wohin ich laufe!”, gibt er barsch zurück. “Ich will nur kurz noch einen Blick auf mein Handy werfen.”

“Du hast heute aber Handyverbot.”, erwidert Danielle mit einem strengen Blick, der dem ihrer Mutter verblüffend ähnlich sieht.

“Bitte was ist los?”, antwortet Peter sichtlich genervt und spürt wie sein Augenlid zuckt, als würde in ihm ein Vulkan brodeln. “Da versucht mir doch glatt eine Zwergin Vorschriften zu machen.”, denkt er bei sich. Voller Selbstbeherrschung entscheidet er sich dazu, seinen Ärger nicht an ihr, sondern am Wiesenboden auszulassen und tritt bei jedem Schritt besonders kräftig auf.

Danielle nimmt das unruhige Stampfen ihres Patenonkels sofort wahr. Sie zupft an seinem Kaschmiranzug und haucht mit zuckersüßer Stimme:

“Der Boden mit den Blumen drin und den Tierchen drauf ist fei kein Sauerkraut.”, und wirft ihm einen vorwurfsvollen Blick zu. Peter schaut empört zurück. So bleiben sie im Blick des Anderen kleben, als würden sie sich gegenseitig die Tür in ihre Welten öffnen, sich mitten ins Foyer ihrer Weltanschauungen führen, die normalerweise Lichtjahre voneinander entfernt liegen. Stumme Fragen schwirren durch die Luft, die sich beide nicht auszusprechen wagen.

Nach ein paar Minuten stillen Wanderns durchbricht Danielle die Wand des Schweigens, die Peter ganz geschwind vor sich nach oben gezogen hatte:

“In deinem großen Bürohaus muss ich immer still sein. Ich soll keinen Spaß haben, ich darf nicht rennen oder kichern. Ich soll immer nur Geist spielen und für alle unsichtbar sein. Jetzt bist du aber draußen bei mir, da wo ich immer bin und du nie. Du bist jetzt mein Gast hier, so wie ich Gast von der Wiese bin, aber ich bin auch eine Freundin von der Wiese. Sie mag mich auch laut. Vom Wald bin ich auch eine Freundin und vom Fluss und von den Tieren natürlich. Wir Freunde haben miteinander gesprochen und wir sagen alle, dass dein Handy hier der Geist sein muss. Und wir sind nett, weil nur das Handy ein Geist sein muss – du nicht.”

Ticketititack-Ticketacktack-Taaahaaack.
Peter’s Herz beginnt zu rasen.
Ticketuckatacka-Tack.
“Was ist hier los?”
Ticketacke-TickTick-Tick.
Peter blickt auf seine Rolex.
Krrruuckrrraaa.
Sie steht still.
Krrraackrrruuu.
Sie läuft rückwärts.
Tacktick-Tacktick-Tacktick.
Peter blickt sich panisch um.
Tacktick-Tacktick-Tacktick.
“So kann ich nicht schnell genug sein.”
Tacktick-Tacktick-Tacktick
Danielle blickt ihn verwundert an.
Tacktick-Tacktick-Tacktick
“In meiner Welt musst du das auch nicht.”

-Fortsetzung folgt.

Wann kommt die Fortsetzung?

Wenn du wissen willst, wie es mit Peter und Danielle weitergeht, dann abonniere am besten den Blog bzw. Newsletter. Somit erhältst du zeitnah alle Informationen über die Texte von Werk.Schätzend und die jeweilige Art der Veröffentlichung.

Wovon träumst du? – von Rebecca Moor

Wovon träumst du? – von Rebecca Moor

Wovon träumst du? – von Rebecca Moor

Heute nimmt uns Rebecca Moor mit in ihre Gedanken zum Thema “Träume”.

Wir sind so dankbar, dass Rebecca sich bereit erklärt hat, unser Buch: Gemeinsam durch Ebbe und Flut mit ihren Rhymes, ihren Slam-Poetry und ihren Texten zu bereichern. Ohne sie und ihre Art, ihre Gedanken auf das Papier zu bringen, würde unserem Buch wirklich etwas Entscheidendes fehlen.

Als ich “Wovon träumst du?” zum ersten Mal gelesen habe, ist mir fast die Spucke weggeblieben. Die Fragen, die Rebecca stellt, sind so auf den Punkt und packen die Leserin bzw. den Leser so richtig am Schlawittchen.

Gerade für Vanessa und mich, die wir in dieser Phase selbst an der Erfüllung eines kleinen Träumchens gearbeitet haben, kam dieser Text wie gerufen. Denn wir hatten durchaus Situationen, in denen das Dranbleiben wirklich herausfordernd war. Deswegen wünsche ich mir, dass Rebecca’s Text auch dich wieder an so manchen Traum erinnert und vielleicht sogar einen neuen Traum in dir weckt.

Powertext von Rebecca: Wovon träumst du?

Wovon träumst du?
Ich meine nicht nachts, tief im Schlaf.
Wovon träumst du?
Tagsüber – wach, bei vollem Verstand.

Ist da überhaupt Platz in deinem Alltag für Träume? Oder liegen deine Träume unter der Realität begraben? Hast du aufgehört zu träumen und Tränen haben deine Träume weggeschwemmt? Haben die spitzen Worte der Anderen deine Träume zerplatzen lassen? Haben die Vorstellungen der Anderen deine Träume in alle Himmelsrichtungen zerstreut wie der Wind die Samen des Löwenzahns?

Ich frage dich, wovon träumst du?
Ich meine nicht nachts, tief im Schlaf,
wenn alles ruhig und friedlich um dich ist und die Stille alles möglich macht.
Wovon träumst du?
Tagsüber – wach, bei vollem Verstand,
wenn es auch mal hektisch und laut um dich herum wird.

Ist da überhaupt Platz in deinen Gedanken für Träume? Oder wurden deine Träume von den to do’s des Alltags verdrängt? Hast du aufgehört zu träumen, weil deine Träume nicht mitkommen beim Wettlauf gegen die Zeit? Und weil Angst und Sorgen nun mal lauter in deinen Ohren klingen?

Und noch einmal:
Wovon träumst du?
Ich meine nicht nachts, tief im Schlaf,
wenn alles ruhig und friedlich um dich ist und die Stille alles möglich macht. Wenn keiner deine Träume mitbekommt.
Wovon träumst du?
Tagsüber – wach, bei vollem Verstand,
wenn es auch mal hektisch und laut um dich herum wird. Wenn du konfrontiert wirst mit den Träumen und Vorstellungen der Anderen?

Ist da überhaupt Platz in deinem Herzen für Träume?
Was hält dich davon ab, zu träumen?

Und ich frage dich:
Wenn nicht jetzt, wann dann?
Sag mir, wann fängst du zu träumen an?

Wovon träumst du?
Erzähl mir, was ist dein Traum.
Wann darf ich ihn schau’n?
Wage Mut, einfach anzufangen,
auch mal zu scheitern – hinzufallen,
um dann wieder aufzustehen und von vorne anzufangen.
Fang an, deine Träume aus den Trümmern der Realität zu bergen. Fang an zu sehen, wie sich deine Träume in den buntesten Farben der Seifenblasen spiegeln und fang an zu sehen, wie deine Träume wachsen wie die gelandeten Samen des Löwenzahns.

Wovon träumst du?

(c) Rebecca Moor

Wo kann man noch mehr inspirierende Texte finden?

Im Buch Gemeinsam durch Ebbe und Flut findest du noch mehr Texte von Rebecca.

Außerdem begegnen dir in diesem kreativen Geschenkbuch noch viele weitere Geschichten und Kompositionen, die inspirieren und zum Nachdenken anregen. Wenn du noch genauere Informationen zum Buch möchtest, dann klick dich hier in die detaillierte Buchbeschreibung.