Schreibgruppe: Lass mal ein Buch schreiben

Schreibgruppe: Lass mal ein Buch schreiben

Schreibgruppe: Lass mal ein Buch schreiben

Lass mal ein Buch schreiben

Mit diesem Titel startete unser Buchprojekt. Ursprünglich waren wir mit diesem Projekt in ein Gruppenkonzept einer Gemeinde integriert. Diese Gruppen finden sich, indem sich ein Leiter mit einem Co-Leiter zusammenschließt und ein bestimmtes Interessensgebiet zur Anmeldung und Teilnahme anbietet. Die Treffen der Gruppen drehen sich auf unterschiedliche Art um dieses Themengebiet. Da gibt es Gruppentreffen mit kreativen Projekten, sportlichen Herausforderungen oder auch Glaubensthemen.

Die Interessensgruppen

Als ich zum ersten Mal von diesem Konzept gehört habe, war ich ziemlich aus dem Häuschen. Für jemanden, der gerne Neues ausprobiert, aber nicht für Jahre in einem Projekt oder einer Gruppe festhängen will, ist das ein super Konzept. Jede Person hat nach einer bestimmten Laufzeit (ca. 3-4 Monate), die Chance etwas Anderes anzubieten oder in einer anderen Gruppe Teilnehmer zu sein – unabhängig davon, ob die Person teilnimmt oder die Treffen leitet. Für alle Beteiligten ist es also leichter eine Gruppe auch wieder zu beenden oder zu verlassen. Für vielseitig interessierte Menschen ist das wirklich klasse.

Bei einem derartigen Gruppenangebot ist es – nach meiner Erfahrung – jedenfalls wichtig, dass die zugehörigen Strukturen auf die Bedürfnisse der jeweiligen Gruppe oder des jeweiligen Projektes zugeschnitten werden. Je nach Ziel oder Inhalt, braucht eine Gruppe mehr oder weniger, weitere oder engere Strukturen, um die Dynamik zu fördern und den Leitenden und Teilnehmenden die nötige Sicherheit, Individualität und Freiheit für ihre Gruppe zu geben.

Tipp von mir persönlich: Falls du in deinem Verein oder deiner Gemeinde auch ein derartiges Konzept umsetzen willst, feiere ich das extrem! Bitte komm aber nicht auf die Idee, dass ein einziges strukturelles Konzept für alle deine Mitarbeitenden und Gruppen pauschal richtig ist. So wie jede Pflanze unterschiedliche Bedingungen bevorzugt, um sprießen und gedeihen zu können, so wird es vermutlich auch mit deinen Gruppen sein.

Der Schreibclub: Lass mal ein Buch schreiben…

Über die Anmeldemöglichkeit haben sich 3 Frauen für „Lass mal ein Buch schreiben…“ angemeldet. Unser Ziel war natürlich, ein Buch zu schreiben. Aber ganz sicher nicht, dieses auch zu veröffentlichen. Der Ursprungsgedanke war, dass wir das Buch für jede Einzelne von uns schreiben möchten, als Erinnerung sozusagen.

Ich habe das Projekt vor allem wegen dem Spaß initiiert, weil ich meine Liebe zum Schreiben wieder entdeckt hatte, das teilen wollte und weil ich mir gewünscht habe, dass auch andere erkennen dürfen wie wertvoll genau diese kreative Ausdrucksweise ist.

Als ein Team setzten wir einen Visionssatz fest und machten uns viele Gedanken darüber, wie dieses Büchlein wohl werden sollte. Diese Gedanken waren sich manchmal total ähnlich, aber in manchen Teilen auch extrem unterschiedlich. Wen wundert es auch, bei 4 Frauen, die sich kaum kannten und sich nur online zum Austausch trafen. Wegen des Lockdowns konnten wir uns nämlich tatsächlich nur in Online-Meetings treffen.

Bestimmt wisst ihr alle, wie herausfordernd diese Art der Kommunikation für ein Team sein kann. Gleichzeitig durften wir aber auch feststellen, dass dieses wöchentliche Treffen zu einem sehr wichtigen Termin für uns wurde.

Wir schrieben von Woche zu Woche Texte zu verschiedenen Themen und lasen sie uns im Treffen gegenseitig vor. Wir verbannten unseren inneren Kritiker vor die Tür und feierten unsere Texte gegenseitig. Jede Woche bekam jede Einzelne ein wertschätzendes Feedback, jede Woche lernten wir mehr übereinander, jede Woche wuchs jemand über sich hinaus, weil er schreibend etwas Anderes ausprobierte. Manchmal lachten wir zusammen und manchmal weinten wir auch, weil manche Texte und Gedichte so tief gingen. Diese Treffen gaben uns etwas Halt, als wir während des Lockdowns in der Luft hingen und so wurden sie zu Terminen, die wir nicht mehr missen wollten.

Die Schätze auf dem Weg hin zum eigenen Buch

Ich persönlich war sehr begeistert darüber, wie ehrlich die Frauen geschrieben haben, wie diese Gruppe zu einem sicheren Ort wurde und wie ich sehen durfte, was ich mir gewünscht hatte: Dass die Teilnehmerinnen sich ein bisschen ins Schreiben verlieben und sich in ihrer Ausdrucksweise ausprobieren, mutig mit ihrem Schreibstil werden und sich etwas zutrauen. Das wurde in unserer gemeinsamen Zeit zu einem Stück Realität, die ich beobachten durfte.

Ein Schritt weiter: Veröffentlichung – Ja oder Nein?

Irgendwann kamen von innen und auch von außen Impulse, darüber nachzudenken, das Buch nicht nur für uns zu schreiben, sondern vielleicht auch ein paar mehr zu drucken und dann für andere zugänglich zu machen oder das Buch vielleicht sogar ganz zu veröffentlichen.

Als wir sicherer mit unseren geschriebenen Werken wurden und merkten, wie gut uns das Schreiben und Vorlesen tat, fing dieser Gedanke an uns mehr und mehr zu gefallen. Vielleicht könnte unser Buch mit unseren eigenen Texten ja auch anderen etwas bringen? Und so entschlossen wir uns gemeinsam für diesen Schritt.

Wow.

So richtig Ahnung, auf was wir uns da einließen, hatten wir nämlich eigentlich nicht. Je mehr wir uns also mit der Veröffentlichung beschäftigten, je mehr aus diesem Spaßprojekt Ernst wurde, je mehr wir zu den Themen Finanzen, Rechte, Layout, Cover usw. recherchieren, entscheiden und diskutieren mussten, desto mehr rasselten wir aneinander. Unser kreativer Vibe wurde gestört und unter strukturorientierten Denkweisen und organisatorischem Mehraufwand begraben. Wir merkten, dass wir uns in diesem Prozess ein bisschen verloren hatten und verzettelten uns in unseren unterschiedlichen Vorlieben und Ansichten. So sehr wir zuvor auch aufeinander eingehen konnten, desto mehr verschwand diese Fähigkeit unter dem Öffentlichkeitsdruck. Ganz davon abgesehen, fraß dieser Zusatzaufwand mehr Zeit und Energie als manche von uns, neben ihren Jobs und anderen Verpflichtungen, eigentlich hatten.

Eine Herausforderung im Wolfspelz

Und dann stand er auf einmal vor uns. Dieser grimmige Wolf, der seine Zähne fletschte und bösartig knurrte, als wolle er sagen:

„Ihr kommt hier nicht vorbei.“

Das Abenteuer „Buchprojekt“ drohte zu scheitern, als wir realisierten, dass die Herausforderung für dieses 4-er-Team zu groß wurde. Wir entschieden zusammen, dass sich der gemeinsame Weg trennen musste und so verließen zwei unserer Schreiberinnen das Projekt. Damit jede zumindest ihr eigenes Büchlein bekommen konnte, wie zu Beginn versprochen, stellten wir dieses noch fertig: Unser Büchlein mit unseren Texten aus unseren sehr persönlichen, wertvollen Treffen – nur für uns Vier.

Der Wolf „Veröffentlichung“ schien so groß zu sein, dass es wohl besser gewesen war, sich zu trennen, damit sich zumindest ein Teil unseres Teams in Sicherheit bringen konnte. Vorsichtig und instinktiv brachten sie sich in eine sicherere Umgebung, in denen sie sich ausruhen und den Schreck verarbeiten konnten.

Da jeder Mensch unterschiedlich mit den Wölfen umgeht, die seinen Weg kreuzen, mussten Vanessa und ich diesen Rückzug akzeptieren, auch wenn wir es uns für alle anders gewünscht hätten.

Da standen wir nun, Vanessa und ich. Kurz vor dem Ziel unseres Weges. Eigentlich schon beinahe fertig und nun doch wieder nicht. Dieser gruselige Wolf hatte es geschafft, dass wir zwei Teammitglieder verloren hatten und mit ihnen auch ihre Texte. Und ja, da flossen Tränen, da war auch Wut und ein bisschen Sprachlosigkeit, weil wir nicht wussten, wie wir jetzt noch einmal so viel Arbeit nachholen sollten, um an diesem Wolf vorbei zu gelangen – mit weniger Womanpower, versteht sich…

Wie sollten wir diesen bedrohlichen Wolf nur besiegen? Sollten wir auch aufgeben und uns in Sicherheit bringen?

Was wurde aus dem Buchprojekt?

Wie es mit unserem Projekt weiterging und was wir mit diesem nervigen Wolf machten, erfährst du unter: Abenteuer Buchprojekt: Gemeinsam durch Ebbe und Flut.