Abenteuer Traurede

Abenteuer Traurede

Wie alles begann:

Eine Nachricht ploppt bei mir auf:

„Hey, du schreibst doch gerne, nicht wahr?“

Auf diese Frage kann ich eigentlich nur schwer mit “Nein” antworten, denn ich schreibe ja bekanntlich wirklich sehr gerne. Wenn ich aber so gar nicht weiß, wohin die Antwort auf diese Frage führen könnte, frage ich mich manchmal, ob es nicht doch besser wäre mit einem kleinen, aber feinen “Nein” zu antworten.

In diesem Fall bin ich aber trotzdem vor allem eins: neugierig und offen.

„Ja, warum?“

„Wenn ich dir ein paar Fakten zusammenstelle, kannst du mir dann einen Text daraus machen?“

„Ja, kann ich.“

In meinem Kopf rattert es währenddessen:

„Bitte lass es keine Fach- oder Bachelorarbeit oder Ähnliches sein…“

In diesem Fall würde ich nämlich ziemlich sicher ein sehr großes und lautes “Nein” eintippen. Denn wenn ich mir schon aussuchen kann, welche Projekte oder Aktionen ich schreibend unterstützen will, dann sollten sie vor allem eins: Spaß machen und für mich auch einen gewissen Grad an Schönheit oder Tiefe besitzen.

Und dann kommt die Antwort…mit einem Knall, einem kleinen Überraschungseffekt, mit dem ich so absolut gar nicht gerechnet habe.

Eine Rede für die Trauung im Standesamt schreiben

„Hättest du Bock die Rede für unsere Hochzeit zu schreiben? Für das Standesamt? Wir dürfen die Hochzeitsrede selber schreiben. Somit können wir auch selbst mehr Einfluss auf die Inhalte und die Wortwahl usw. nehmen. Wir würden uns freuen, wenn du diese Traurede für uns schreiben würdest.“

Texte für Trauungen, liebe Leute, sind Schriftstücke, die schön sind und Tiefgang haben. Sie sind romantisch, sie sind witzig, sie sind voller Erinnerungen, aber auch geprägt von Spannung und Vorfreude bezüglich der gemeinsamen Zukunft. Da nehme ich dann auch gerne ein paar Daten und Fakten in Kauf.

Hochzeitsrede gewünscht? – Ja, ich will!

Ich freue mich riesig über diese Anfrage. Innerlich führe ich einen kleinen euphorischen Freudentanz auf und bin einfach nur begeistert, dass ich für einen derartigen Text angefragt werde.

„Ja, das wäre eine absolute Ehre für mich!“

Und das ist es auch. Einen Text für einen so wichtigen Tag im Leben zweier Menschen zu schreiben, ist wirklich eine Ehre. Zumindest für mich.

Die Herausforderung bei diesem kleinen Schreibabenteuer

Vor dem Schreiben trudeln natürlich die Daten und Fakten bei mir ein und selbstverständlich auch eine Vorgabe für den Stil: „Einfach locker luftig.“

Ich sitze da, betrachte die Nachricht und frage mich, wie ich nun meinen vor Romantik überschäumenden Kopf in eine locker luftige Richtung bewegen soll. Da muss doch mindestens eine Tonne „Kitsch“ rein. Es geht hier um eine Trauung – das Event des Lebens – um diesen einen großen Tag. Es geht doch um mehr als nur das Kernstück jeder Hochzeit, um mehr als das Ja-Wort. Es geht doch um Liebe – das soll man doch aus jedem Wort dieser Rede herausspüren können. Da passt dieses „locker luftig“ irgendwie nicht so ganz dazu, oder etwa doch?

Das ist die Herausforderung. Mein persönlicher Bär auf dem Weg hin zu einem tollen Text für die beiden. Wie begegne ich ihm? Laufe ich lieber davon? Soll ich kämpfen?

Nein. Diesen Bären muss ich anders bezwingen:

Zuerst lasse ich meine eigene Vorstellung ein bisschen los, denn hier geht es ja gar nicht um eine Rede, die mir gefallen muss, sondern eine, die auf die beiden zugeschnitten ist und ihnen zusagt. Deswegen habe ich mich dazu entschieden, mich mit dem Bären zu verbünden. Dieser „locker luftig“-Bär muss nämlich nicht verschwinden, sondern kann Teil meines Schreibabenteuers werden und darf mit mir gemeinsam unterwegs sein. Der zuerst groß und abschreckend wirkende Bär, der sich so gar nicht mit meinen Vorstellungen einer perfekten Traurede vereinbaren ließ, wird nun zu einem kleinen Plüschbären, der auf meinem Weg hin zum Ziel einfach bei mir im Rucksack sitzt.

Ich lasse meine Finger über die Tastatur wandern. Einfach mal schreiben. Im Flow sein. Nicht zu viel darüber nachdenken, ob alles richtig sein wird, ob es ihnen denn auch wirklich gefallen wird. Dabei verbinde ich ganz automatisch meine Romantik mit einem Hauch „locker luftig“ zu einem tollen Gesamttext.

Ich schreibe einfach – und genau so macht es Spaß. Sie wissen, dass ich mich auf Neuland begeben und noch nie zuvor eine Traurede für eine Trauung im Standesamt geschrieben habe, aber sie vertrauen mir und ich traue es mir zu.

Ja, ich will ihre "Ja, ich will"-Geschichte schreiben!

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