Pedro und die Schönheit der Muscheln

Pedro und die Schönheit der Muscheln

Mutig und furchtlos: So kam er im lässigen Schritt angetrottet. Seine Schritte hörte man nicht. Der Sand knirschte zu leise und zu sanft unter seinen Füßen. Also nutzte Pedro seine Stimme, um sich selbst bei allen anzukündigen. Er begann zu singen.
In seiner schwarzen Jogginghose kombiniert mit einem dunklen Oberteil, das von glitzernden Pailletten geprägt war, sah er ohnehin auch optisch schon aus wie ein kleiner Superstar. Dazu kam seine Sonnenbrille, die er als passendes Künstleraccessoire geschickt zwischen seinen Fingern umhertanzen ließ. Ja, so zog er die Blicke auf sich und genoss sie sichtlich.
„Schaut nur her, was ich so kann.“, das schien er seinem Publikum mitteilen zu wollen. Frei nach diesem Motto stolzierte er mit der ganzen Coolness, die er transportieren konnte den Strand entlang.

Doch in einem kleinen unachtsamen Moment fiel Pedro aus seiner Rolle. Da kam das Kind in ihm zum Vorschein. Ganz unerwartet ließ er seinen Gesang verstummen, bückte sich nach unten und hob ein paar Muscheln und Steinchen auf. Sie hatten seine Aufmerksamkeit erhascht. Von ganz unten auf dem Boden. Unscheinbar, still und klein zogen sie ihn in ihren Bann. Er konnte seinen Blick nicht von ihnen lassen, musste sie aufheben, sie in den Händen halten, sie drehen und begutachten, ihre Oberfläche ertasten und ihre faszinierenden Farbverläufe wahrnehmen.

In diesem Moment realisierte Pedro zum ersten Mal in seinen jungen Jahren, dass er nicht unbedingt laut und schrill sein muss, um gesehen zu werden.

Denn was tun diese kleinen Muscheln zwischen Tausenden von anderen Muscheln schon, um aufzufallen? Wie laut können zierliche Steine schon sein, um sich zwischen ihresgleichen aus der Masse hervorzuheben? So viele Möglichkeiten haben sie ja nicht. Sie können sich nicht anders anziehen; sie können sich von alleine nicht mal an einen anderen Ort schleifen. Sie können sich nur selbst akzeptieren und annehmen, wie sie nun einmal sind. Sie können nichts, rein gar nichts tun, um in irgendjemandes Augen besser dazustehen.

„Wieso habe ich aufgehört, Blicke auf mich selbst ziehen zu wollen, nur um die paar Steinchen und Muscheln anzusehen?“, fragte Pedro sich und empfand es auf einmal viel weniger schlimm, nicht im Mittelpunkt zu stehen und seinen Platz an diese unscheinbaren Winzigkeiten abgegeben zu haben. Er verstand, dass er seine Maske nicht in jedem Moment braucht.

Wenn sogar Muscheln auch ohne Masken, ohne großen Auftritt und in ihrer ganzen Natürlichkeit von ihm als „Meister einer guten Show“ gesehen werden, vielleicht könnten sie ihm dann ein Vorbild dafür sein, auch etwas mehr er selbst zu sein.

Abenteuer Wandkalender

Abenteuer Wandkalender

Wie in jedem Projekt, gab es auch auf dem Weg zu diesem Kalender Herausforderungen zu bewältigen und Lösungen zu finden. Da standen zwei mittelgroße Berge vor mir, die mich von oben leicht belächelten und meinten: „Na, schauen wir mal, ob du uns bezwingen kannst.“

  • Der erste Gipfel gehörte zum Montagna Concezione: Dieses Mal ging es nicht nur darum, einen Text zu verfassen oder ihn in Form zu bringen. Es ging auch darum in Zusammenarbeit, ein Konzept zu entwickeln und eine passende Optik für die Gedanken, Bilder und Informationen zu finden.
  • Der zweite Gipfel lag auf dem Montagna Tacchino: Die Themenbereiche „Putenhaltung und Putenfleisch“ waren komplett neu für mich und mir fehlten die Erfahrungswerte in diesem Bereich.

Zuerst waren diese Berge ein bisschen frech, ein bisschen zu sehr von ihrer Größe überzeugt, sodass sie anfangs dachten, dass ich mit meiner Höhenangst nicht über sie hinweg wandern könnte. Ganz Unrecht hatten sie ja auch nicht: Ich habe mittlerweile auf meinen Wanderungen die Erfahrung gemacht, dass ich tatsächlich nicht jeden Berg bezwingen kann, – über eine realistische Erwartungshaltung, meine Stärken und Fähigkeiten, aber auch Begrenzungen, habe ich in diesem Wandkalender-Projekt von Anfang an aufgeklärt – aber komplett richtig lagen sie dann doch nicht, denn so manche Hürde kann ich ja trotzdem nehmen – auch mit Höhenangst.

So habe ich also den ersten Anstieg wie immer mit ausgetüftelten Hilfen in Angriff genommen, ganz wie draußen in der Natur. Wie draußen auch, geht es für mich auf so einem Berg nicht ohne Werkzeuge, wie einen Stock, der mir Stabilität gibt oder einen Blick auf Karten und Wegweiser, die mich letztlich auf Kurs halten und zum Ziel bringen.

Den zweiten Berg hätte ich alleine vermutlich nicht geschafft. Die Wissenslücke hin zum Gipfelkreuz war zu groß, um sie mal gewieft allein überspringen, überklettern oder umwandern zu können. Kluge Wanderer wissen aber auch, dass man die meisten Bergtouren am besten zu zweit anpackt, dann macht es mehr Freude und das Ziel wird einfacher und sicherer erreicht. So habe ich diesen unbekannten Fachbereich durch das Profiwissen von Mareike (Gründerin Gute Pute) gefüllt, wodurch eine Brücke zum Gipfel gebaut werden konnte.

Zwei neue Berge mit den richtigen Werkzeugen und in Zusammenarbeit geschafft! YAY!

Du möchtest auch gerne deinen eigenen Kalender über deine Arbeit oder dein Projekt? Dann schreib mir gerne über das Kontaktformular.

Stand firm!

Stand firm!

„Wenn du stehen bleibst, dann ist das eine Art Stillstand. Du stehst dir selbst im Weg, du kommst nicht vorwärts und noch dazu bremst du andere aus. Sogar Rückwärtsgewandte sind aktiver, denn die laufen zumindest irgendwohin – ist zwar meist die falsche Richtung, aber sie laufen dennoch. Der, der stehen bleibt, tut gar nichts. Stehenbleibende sind passiv.“

Das ist die Überzeugung vieler Leute.

Ich möchte heute eine Gegenthese dazu aufstellen, weil ich von dieser pauschalen Sichtweise so absolut gar nicht überzeugt bin.

Um in einer Welt, die dir ständig erzählen möchte, wer du zu sein hast und wie dein Leben aussehen sollte, wirklich fest zu deinen Werten, Überzeugungen und zu deinem Lebensstil zu stehen, ist ein fester Stand zeitweise ein immenser, aktiver Kraftakt.

Tagtäglich prasseln unsagbar viele Werbeanzeigen auf dich ein, verschiedene Sichtweisen, Weltbilder oder Meinungen versuchen dir einzureden, dass sie die einzig wahren sind. Dir wird oft erzählt, was du brauchst und was du nicht brauchst, vielleicht wirst du sogar in bestimmte Richtungen gezerrt.

Und jetzt sag mir einer, dass ein fester Stand in diesen Situationen eine passive Handlung sein soll. Rein anatomisch betrachtet, ist das bereits eine fragwürdige Aussage. Ein Mensch, der stabil steht, muss unendlich viele Muskeln aktivieren. Seine Sehnen, Bänder, Nerven und Knochen müssen in einer stabilen, harmonischen Einheit miteinander funktionieren.
Ein Mensch, der gegen Widerstände aufsteht und sich selbst treu bleibt, muss neben seinen Muskeln auch noch seinen Willen stärken und auf Kurs halten. Er muss sich seiner Stärken und Schwächen, seiner Möglichkeiten und Grenzen, seiner Persönlichkeit und dem, was er braucht bewusst sein. Andernfalls wird er „Ja“ zu Dingen, Menschen, Jobs, Überzeugungen oder einem Leben sagen, das nicht für ihn, sondern für einen anderen passt.

Wisst ihr, was also wirklich passiv ist? Liegen ist passiv, denn das ganze Gewicht des Körpers wird auf etwas abgelegt und von etwas getragen. Man tut sehr wenig, ruht aus, lässt sich treiben…

Ich persönlich glaube ja, dass viele Menschen in unserer Gesellschaft auf dem Strom der Massen liegen und von ihm nach hier und dort getragen werden.

Stell dich also ruhig auch mal wieder hin. Auf deine zwei Beine. Nicht, um dich dann selbst zum allwissenden Herrscher aufzuspielen, sondern um auszuloten, wieviel von einer Sache für dich passt, auch wenn es bedeutet, dass es für jemand anderen anders ist.

Hinweis: Dieser Beitrag und die Ermutigung zum stabilen Stand gilt nicht für schädigende, zerstörerische, herabsetzende und menschenunwürdige Werte, Verhaltensweisen und Überzeugungen. Diese sollte man eindeutig überdenken und sein lassen.

Peter Kohlmann’s Rolex – Teil 2 der Kurzgeschichte

Peter Kohlmann’s Rolex – Teil 2 der Kurzgeschichte

Der erste Teil der Kurzgeschichte lautet “Peter Kohlmann’s Welt”. Du findest ihn hier.

Peter Kohlmann und der Geier

„Danielle, wirklich, mir ist nicht nach Scherzen zumute oder nach verträumten Kinderwelten, die nicht existieren. Ich MUSS in JEDER Welt schnell sein und dazu brauche ich – verflixt nochmal – eine funktionierende Uhr! Du bist echt noch klein, das verstehst du noch nicht. Lass uns die Uhr jetzt gleich zum Uhrmacher bringen.“

„Die Uhr geht doch. Sie tickt, hörst du das nicht?“

„Natürlich macht sie irgendwelche Geräusche, aber sie läuft rückwärts. So verpasse ich jedes einzelne Meeting, weil ich nicht schnell genug dort bin!“

Danielle bricht in kindliches Gelächter aus, nicht in ein urteilendes oder abwertendes, sondern in ein ansteckendes, fröhliches Gekicher.

„Was gibt’s da zu lachen?!“, fragt Peter entrüstet. „Hier geht’s um eine Menge Verantwortung!“

„Ja, das glaube ich dir. Bei einem so hohen Bürogebäude ist es immer wichtig, dass es nicht umfällt – irgendwie ein bisschen wie bei einem Jenga-Turm.“

Bevor Peter empört einen Kommentar dazu abgeben kann, wie Danielle überhaupt darauf kommt, seine Firma mit Spielzeug zu vergleichen, fügt sie noch hinzu:

„Aber die Uhr geht ja jetzt falsch rum. Und du muss jetzt nicht, wie jeden Tag, deiner Zeit nachrennen, um schneller als sie zu sein, nur weil du mehr von ihr haben willst. Die Zeit macht doch jetzt extra langsamer, wie die Schnecke da unten. Jetzt kannst du volle langsam machen.“

Wieder lacht Danielle vor Entzückung.

„Du bist echt sooooo schlecht mit dieser Langsam-Sache, aber Rennen bringt halt grad Null. Dafür können wir jetzt richtig lang hier draußen bleiben und meine Freunde besuchen. Juhuuu!“

Als hätte Peter auf einmal jedes Meeting vergessen, springt er sofort auf ihre Provokation an:

„Forderst du mich gerade heraus? Ok, kannst du haben: Ich werde auch im langsamen Modus besser als andere sein, wenn nicht gar der Beste.“

Während die beiden vom Schotterweg auf den Wandertrail im Wald abbiegen, reiht Peter weiter einen sich selbst beschreibenden Superlativ an den anderen. Danielle hört ihm dabei interessiert und belustigt zu und fragt sich, ob er einfach nur nicht begreift, um was es geht oder ob er sich mit seinem Kampf gegen irgendwelche Konkurrenten, die für Danielle wohl unsichtbar zu sein scheinen, einfach nur selbst beruhigt. Wenn schon die heilige Rolex nicht so läuft, wie sie laufen müsste.

Plötzlich ertönt ein gellender, schriller Schrei aus den Baumwipfeln über ihnen.

„Pah, du und dein -er!“

Die beiden zucken zusammen, während die Baumkronen von einem lauten Rascheln durchzogen werden. Schnell klammert Danielle sich an Peters Bein.

„Was ist das?!, fragt sie mit zitternder Stimme.

„Du kennst dich doch hier aus, dachte ich!“, fährt Peter sie an, während er beinah über seine umklammerten Beine stolpert.

Ein mächtiger Schatten mit großen Schwingen gleitet aus den Bäumen über die Wiese am Hang, macht eine elegante Drehung und fliegt anschließend direkt auf sie zu.

„Ja, aber meine Freunde hier sind alle klein und nicht so laut. Ich glaub der will zu dir.“

Als hätte Danielle es geahnt, landet der große Geier auf einem Ast in Peters Nähe, direkt auf Augenhöhe. Wieder stößt er einen gellenden Schrei aus:

„Du hast ein -er Problem, Peter!“

„Und du hast ein Orientierungsproblem, man! Hast dich wohl verflogen?!“

Danielle kneift ihren Patenonkel ins Knie.

„Du bist draußen in der Natur, nicht im Büro; sei bloß nett!“, flüstert sie ihm so scharf sie kann zu.

Majestätisch breitet der Geier seine Flügel aus.

„Ich bin in jede Richtung größer als du, zeig Respekt oder du lernst von mir schneller zu rennen als jemals zuvor. Hast du darauf wirklich Lust?“

Danielle wirft einen flehenden Blick nach oben in Peters Richtung. Er hatte die Situation aber auch ohne dieses Signal bereits umfänglich erfasst, so dachte er zumindest.

„Nein.“

„Gut, dann reden jetzt wir Großen. Ich bin hier, weil Danielle für dich zu wenig Bescheid weiß, so als Zwergin, und du der Große bist, der deswegen immer richtig liegt. Nach deinem Verständnis bin ich jetzt allwissend, weil ich riesig bin. Also reden wir.“

Da prustet Peter los und kann sich kaum auf den Beinen halten.

„Du bist ein Vogel, was willst du mir schon groß erzählen?“

„Das ist doch dein Lebensstil, nicht meiner. Du glaubst doch an größer = besser. Du musst mir zuhören, sonst verrätst du dich selbst.“

„Touché.“, bekräftigt Danielle hochachtungsvoll, während Peter langsam begreift, dass er es hier nicht mit einem Dummkopf zu tun hat.

„Also, dein -er ist gegen deine Natur.“

„Was meinst du damit?“

„Dein Leben dreht sich vor allem um dünnER, schnellER, bessER, größER, weitER, schönER. Egal, um was es geht. Das ist gegen die Natur.“

„Quatsch! Das ist hier draußen doch genauso. Wenn man nicht schneller oder größer ist, wird man gefressen statt zu fressen. Schau dir doch mal die Raubtiere an; das ganze Ökosystem käme durcheinander, wenn sie nicht besser wären als andere Tiere und nicht entsprechend handelten.“

„Da hast du recht. Das ist ihr tierischer Instinkt und ein gewisses Maß an Wettbewerb ist sicherlich auch nicht zu verachten. Hast du denn schon einmal einem Raubtier beim Jagen zugesehen?“

„Ja, mir. War geil.“, lacht Peter.

Da hat der Geier die Faxen dicke, stößt einen Pfiff aus und ist innerhalb von Sekunden von einem Schwarm anderer Geier umringt, die Peter packen und nach oben zerren, während Danielle entgeistert zurückbleibt.

„Wir bringen ihn wieder. Warte dort vorne an der großen Eiche.“, hört sie sie noch rufen.

„Spinnt ihr?! Lasst mich runter!“

„Oh, gut gebrüllt, Löwe,“, kichert der Geier, „aber das willst du nicht wirklich. Wir zeigen dir jetzt erst einmal wie ein ECHTES Raubtier jagt.“

Nach einigen weiteren Flügelschlägen ist unter ihnen eine Herde Gazellen zu erkennen, hungrig am Grasen. Alles scheint ruhig, friedlich zu sein, als könnte die Stimmung nicht paradiesischer sein. Flatternd halten sich die Überflieger in der Nähe der Herde auf und weisen Peter an, genau aufzupassen. Kaum ausgesprochen, stößt aus dem Dickicht ein Gepard hervor, das schnellste Landsäugetier der Welt.

„Schau, dein Vorbild. Jagen im Highspeed. Schau genau hin.“

Mit sagenhafter Eleganz sprintet der Gepard auf seine Beute zu, sein langer Schwanz hält ihn in den Kurven in Balance, lässt seine Bewegungen kraftvoll und geschmeidig aussehen. In Windeseile hat er ein Tier von der Herde abgespalten, bringt es aus der Fassung, treibt es vor sich her, bis es stolpert. Mit einem gewaltigen Satz springt er die Gazelle an. Seine Krallen bohren sich tief in ihre Flanke; dann verpasst er ihr den tödlichen Biss in die Kehle.

„Ein Meister seines Fachs.“, jubelt Peter. „Im metaphorischen Sinne mache ich das so wie der. Also ist bei mir alles richtig. Es gibt nichts mehr zu lernen für mich“

„Schau zu!“, befiehlt der Geier, „Es ist noch nicht vorbei.“

Der Gepard schleift seine Beute zu einer Höhle, in deren Nähe drei kleine Gepardenbabies tapsig ihre ersten Schritte wagen. Heute gibt es zum ersten Mal Fleisch für die Kleinen. Schmatzend fangen sie an, ihr Mittagessen zu beschnuppern, abzulecken und anzuknabbern. Der große Gepard wartet währenddessen, schaut zu, ruht sich aus und hält Wache. Erst nachdem die Kleinen satt sind, fängt der ältere Gepard an zu fressen und nachdem sein Hunger gestillt ist, ruht sich die Familie aus, spielt und geht auf Entdeckungstour.

Erst jetzt beendet der Trupp Geier seine auf einer Stelle rüttelnde Art des Fliegens und gleitet mit Peter zurück zu Danielle. Unter der großen, schattigen Eiche setzen sie ihn neben seiner Patentochter ab und fliegen so schnell davon wie sie gekommen waren.

„Das war jetzt nicht mehr so spannend.“, meckert Peter und versucht die Löcher in seinem Anzug mit reiner Willenskraft zu schließen.

„Das war der wichtigere Teil.“, schüttelt der Geier verständnislos den Kopf.

„Peter, Peter, was hast du gelernt, was hast du gesehen? Ich freu mich so, dich wieder bei mir zu haben.“ Danielle hüpft aufgeregt von einem Bein auf das andere.

„Er hat gelernt wie man jagt.“

„Naja, eigentlich habe ich vor allem gemerkt, dass ich schon längst richtig jage.“

„Falsch! Ein Gepard wird satt und hört dann auf mit der Jagd nach -er. Das bedeutet es, ein Raubtier zu sein. Auch seine Familie zu versorgen und den Erfolg zu teilen, gehören dazu. Du aber, Peter, hast dich in deinem -er verloren. Du wirst einfach nicht satt. Das ist kein Jagen im Sinne deiner Natur.“

„In der Natur gibt es aber auch Jagende im Blutrausch!!!“

„Die sind fehlgeleitet, sie töten mehr als sie fressen und vertragen können. Unnötig, wie bei dir. Du feierst nicht den Erfolg oder einen Sieg oder ein Talent oder eine Begabung oder deine Existenz an sich, du feierst den Vergleich mit jemand anderem.“

„Jetzt hab ich aber genug von dir, du schäbiges Federvieh!“

Peter beginnt Steine nach dem Geier zu werfen und ihn mit allen Kraftausdrücken zu beschimpfen, die ihm gerade in den Sinn kommen. Mit seinen mächtigen Schwingen erhebt dieser sich und lacht:

„Was ist los, Raubtier? Bist du in einen Dorn getreten? Tut dir dein Pränkchen weh?“

Und so verschwindet der Geier mit wenigen Flügelschlägen in luftigen Höhen, bis er nicht mehr zu erkennen ist.

„Peter?“, flüstert Danielle, „der Geier ist größer und mächtiger als du.“

„Ja, und?!“, raunzt Peter.

„Er hat recht.“

„Danielle, ich bitte dich. Er ist ein Vogel. Auf wessen Seite stehst du eigentlich?!“

„Schau doch mal hin. Dir reicht es nicht, groß zu sein. Du fühlst dich erst gut, wenn du größER bist…als ich zum Beispiel. Du willst nicht schnell sein, denn das reicht ja nicht. Erst wenn du schnellER bist, bist du ok. Wenn du langsamER bist, bist du ein Loser, deswegen machst du noch schnellER. Dein Erfolg geht nur im Vergleich zu anderen. Deswegen wirst du auch niiiieeeeee satt, weil es irgendwo immer jemanden mit noch mehr -er-er-er gibt. Er hat recht.“

„Kein Mensch mag Klugscheißer, Danielle.“, weicht Peter demonstrativ aus.

„Ja, deswegen hörst du dem Geier ja auch nicht zu.“

„Weil er ein Klugscheißer ist.“

„Nein, weil du ein Klugscheißer bist.“

„Hahahaha, ihr seid ja süß.“, der Wildrosenstrauch am Wegesrand beginnt sich vor lauter Gelächter zu rütteln und zu schütteln. Dann streckt er seine Wurzeln in ihre Richtung und umschlingt ihre Arme. Er zieht sie ganz nah zu sich und umrankt die beiden so sehr, dass sie eins mit ihm werden und nicht mehr von ihm loskommen. Bedrohlich nahe kommen ihnen die spitzen Dornen, aber auch die verführerisch duftenden Rosen. Am liebsten würden sie flüchten, aber irgendwie möchten sie auch bleiben und so hängen sie fest, gefangen und beinah zerrissen in diesem Wirrwarr aus Wurzeln, Zweigen, Dornen und Blüten.

-Fortsetzung folgt.

Wie geht es weiter mit Peter und Danielle?

Wenn du immer up-to-date bleiben und über neue Beiträge, Produkte oder Kurse informiert werden möchtest, dann abonniere ganz einfach den Newsletter von Werk.Schätzend über dieses Formular.

Schmetterling, du kleines Ding…

Schmetterling, du kleines Ding…

Wie ich sie liebe, diese kleinen Geschöpfe mit ihrer herrlichen Farbpracht. Detailverliebte Schönheit strahlt mir entgegen, wenn ich sie betrachte.

Zierliche Beinchen, die doch so viel Kraft haben, um zu tragen, sich zu halten, den Flug mit auszuloten.

Vielfältige Farbschattierungen und Muster, die sich in einzigartiger Weise über die zarten Flügel ziehen, die neben ihrer Zerbrechlichkeit auch gleichzeitig so viel Stärke besitzen, um im Flug zu kraftvollen und eleganten Tänzern zu werden.

Ihr fröhlicher Tanz steckt mich an, bringt mich zum Lächeln, versetzt auch mein Herz in belebte, freudige Stimmung.

Schmetterlinge begeistern mich mit ihrer Wandlungsfähigkeit: Ei – Raupe – Kokon – Falter
Die Organe einer Raupe bilden sich im Kokon um, um als Falter weiterleben zu können. Ist das nicht ein faszinierendes Wunder der Natur?

Diese kleinen Flugkünstler sind Meister der Sinne: Sie spüren ihre Geliebten und Nektar mit ihren Fühlern über weite Entfernungen zielsicher auf.

Und dann ist da ihr Fleiß, ihr unbändiger Fleiß: Mit Hilfe ihrer Antennen (so nennt man die Fühler auch, was ich sehr treffend finde) und ihrer kleinen Glubschaugen sind sie von früh bis spät auf Nahrungssuche. Ihrer prunkvollen Farbpracht entsprechend, fliegen sie am liebsten farbenfrohe Gärten, Blumenkästen oder Wiesen mit viel Nektar an. Hier fühlen sie sich wohl, denn hier gibt es eine Vielzahl an Blüten mit schmackhafter Nahrung, Blumen, die bestäubt werden wollen. Kaum gelandet, wird schon fleißig gesaugt und gefuttert, dabei bestäuben Schmetterlinge mit ihrem langen Saugrüssel auch Blüten, die andere Insekten nicht bestäuben können. Röhrenblüten, die bis zu 4 cm tief sind, sind für diese fleißigen Insekten kein Problem. Und dann geht’s ab zur nächsten Blüte.

Und ich, ich bestaune sie dafür, wie sie flink und ehrgeizig, ja instinktiv beschäftigt sind.

Gleichzeitig lassen sie mich aber auch immer wieder an ihrer ruhigen Seite teilhaben. Mitten in ihrem geschäftigen Treiben suchen sie die Sonne auf, lassen sich nieder – meist auf Teer oder Stein. Sie breiten ihre Flügel aus und ruhen, tanken Sonne, tanken Wärme, tanken Kraft. Als würden sie sich zwischen dem warmen Stein und den hellen Sonnenstrahlen in eine wohltuende Decke hüllen.

Ihr buntes Farbgewand schreckt Fressfeinde ab und ihr Instinkt lässt sie wohl wissen, dass all die anderen Blumen, die noch angeflogen werden müssen, auch später noch da sein werden und falls nicht, suchen sich die Falter wohl einfach eine andere Nahrungsquelle. Schmetterlinge brauchen nämlich nicht nur ihr Tun und ihre Bewegung, sie brauchen auch viel Sonne und die Ruhe in ihr, denn wird den Schmetterlingen vor lauter Fliegerei, durch Temperaturschwankungen oder die ununterbrochene Nahrungssuche einmal zu kalt, sterben sie.

Was ich von Schmetterlingen und Faltern lerne

Die letzten Tage und Wochen habe ich sehr viel getan, was eben getan werden musste. Da kam ganz viel auf einmal zusammen und ihr kennt das bestimmt auch alle: Wenn man sich in seiner Wohnung, auf seinem Hof, in seinem Wald, auf seiner Arbeit, in seiner Gemeinde, in seiner Firma umsieht, dann findet man immer etwas, das man tun könnte. Ich auch.

Heute möchte ich aber wie der Schmetterling sein – und das möchte ich eigentlich immer mehr. Ich möchte verspielt sein und aus der puren Lust am Leben tanzen und toben und dann ernst sein, wenn es dran ist. Ich möchte etwas tun und nicht nur dauernd am Chillen sein, aber meine Inseln der Ruhe möchte ich trotzdem nicht vergessen oder vernachlässigen. Ich möchte die Sonne genießen, frei umherschwirren und dabei mit anderen Menschen eine gute Zeit haben.

Denn wenn es schon in der Natur so angelegt ist, dass selbst die Kleinsten und Fleißigsten die Ruhe aufsuchen und sich einfach nur an etwas Schönem, an etwas Wärme erfreuen, ohne Verluste zu erfahren – warum sollte das für mich dann nicht auch funktionieren?

Vielleicht sind wir ja gar nicht nur zum Leisten und zum Geben, sondern auch zum Sein, zum Genießen und für Dankbarkeit gemacht.

Deswegen habe ich mich heute in der Früh an Schmetterlinge erinnert – wie sie sich im Flug verspielt zum Tanz vereinen und in der Sonne träumend die Strahlen genießen – und hab’ mich damit selbst befreit vom täglichen Tun:

Ich mach’ heute gar nichts, nur Schönes,
schon okay, sich auch mal auszuruh’n.